Was eine Firma wert ist
Was eine Firma wert ist, ergibt sich aus allen Zahlungen, die sie ihren Eigentümern künftig leisten wird, umgerechnet auf heute. Die Rechnung ist einfach. Die Annahmen darin sind es nicht.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du erklären, wie sich der Wert einer Firma aus künftigen Zahlungen ergibt und warum die Annahmen dabei entscheiden.
Verspricht dir jemand, dir zehn Jahre lang jedes Jahr 1.000 € zu zahlen, ist das heute keine 10.000 € wert. Geld in der Zukunft ist weniger wert als Geld heute, weil du warten musst und weil nicht sicher ist, ob es kommt. Rechnest du mit 8 Prozent, sind die zehn Zahlungen heute ungefähr 6.700 € wert.
So bewertet man eine Firma
Genauso bewertet man eine Firma. Man schätzt, was sie künftig verdient und an ihre Eigentümer weitergeben kann, und rechnet es auf heute zurück. Die Summe nennt man den inneren Wert. Liegt der Kurs deutlich darunter, gilt die Aktie als günstig.
Die Annahmen als Haken
Der Haken sind die Annahmen. Du musst schätzen, wie schnell die Firma wächst und mit welchem Zinssatz du zurückrechnest. Kleine Änderungen an diesen beiden Zahlen verändern das Ergebnis stark.
Bewertung als Spanne
Eine Bewertung ist deshalb eine Spanne, keine genaue Zahl. Nennt dir jemand einen exakten fairen Wert, hat er entweder etwas nicht verstanden oder will dir etwas verkaufen. Nützlich ist die Rechnung trotzdem, weil sie zeigt, welche Erwartungen schon im Kurs stecken. Wer das nach festen Regeln für viele Firmen gleichzeitig macht, landet bei Value Investing als Strategie, über das seit Jahrzehnten geforscht und gestritten wird.
Beim Modell der abgezinsten Zahlungen schätzt man die Zahlungen für die nächsten fünf bis zehn Jahre einzeln und für die Zeit danach einen Restwert. Dieser Restwert macht oft zwei Drittel oder mehr des gesamten Ergebnisses aus. Das Ergebnis hängt also vor allem von Annahmen über eine Zeit ab, die weit jenseits dessen liegt, was man ernsthaft vorhersagen kann.
Der Restwert
Für den Restwert nimmt man meist eine Formel mit festem Wachstum: nächste Zahlung geteilt durch (Zinssatz minus Wachstum). Das Ergebnis reagiert stark auf den Abstand zwischen beiden. Bei 8 Prozent Zins und 2 Prozent Wachstum macht ein Prozentpunkt mehr Wachstum den Restwert rund 20 Prozent größer. Bei 8 und 5 Prozent macht derselbe Prozentpunkt ihn schon rund 50 Prozent größer. Eine einzelne, genaue Zahl als Ergebnis ist deshalb nicht glaubwürdig.
Umgekehrt rechnen
Sinnvoller ist oft der umgekehrte Weg. Du fragst, welches Wachstum und welche Gewinnmargen der heutige Kurs voraussetzt, und beurteilst dann, ob das realistisch ist. So musst du keine eigene Prognose mit falscher Genauigkeit erfinden, und du siehst klar, was der Markt gerade erwartet.
Zusammenfassung
- Der Restwert bestimmt meistens den größten Teil des Ergebnisses.
- Schon ein Prozentpunkt mehr Wachstum kann den Wert um ein Fünftel oder mehr verändern.
- Nützlicher als die eigene Prognose ist die Frage, was im Kurs schon steckt.
Hast du es verstanden?
Warum ist Geld in der Zukunft weniger wert?
Weil du warten musst und weil nicht sicher ist, ob es kommt. Deshalb rechnet man es auf heute zurück.
Welcher Teil bestimmt eine Bewertung meistens?
Der Restwert, also die Annahmen für die Zeit nach dem eigentlichen Prognosezeitraum.
Welcher Weg vermeidet falsche Genauigkeit?
Der umgekehrte: ausrechnen, welche Annahmen den heutigen Kurs rechtfertigen würden, und prüfen, ob sie realistisch sind.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Rechne den heutigen Wert von zehn Zahlungen zu je 1.000 € einmal mit 6 Prozent und einmal mit 10 Prozent Abzinsung aus, zum Beispiel in einer Tabellenkalkulation. Schreibe auf, um wie viel Prozent die beiden Ergebnisse auseinanderliegen und was das für die Behauptung bedeutet, eine Firma habe einen exakten fairen Wert.
Quellen und Weiterlesen
- Aswath Damodarans Analyse zum Endwert in der Unternehmensbewertung, die zeigt, wie stark das Ergebnis eines Discounted-Cashflow-Modells vom Endwert und dessen Annahmen abhängt. Quelle ansehen ↗