Sachwerte und Sammlerstücke
Uhren, Kunst, Wein und Oldtimer können im Wert steigen. Sie lassen sich aber schwer verkaufen, der Handel ist teuer, und die Renditezahlen, die man darüber liest, sind oft geschönt.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du einschätzen, warum Uhren, Kunst und andere Sammlerstücke als Geldanlage tückischer sind, als sie wirken.
Berichte über Sammlerstücke klingen fantastisch, weil nur über die Stücke berichtet wird, die teuer geworden sind. Die Uhren, die heute keiner mehr will, tauchen in keiner Statistik auf.
Kosten bei Sammlerstücken
Dazu kommen die Kosten. Auktionshäuser verlangen oft zweistellige Prozentsätze vom Käufer und vom Verkäufer. Lagerung, Versicherung und Pflege kosten zusätzlich. Ersteigert Tobias eine Uhr für 10.000 € und zahlt 12,5 Prozent Aufgeld, ist er bei 11.250 €. Verlangt das Auktionshaus beim Verkauf noch einmal 12,5 Prozent, muss die Uhr fast 12.900 € bringen, damit er nur sein Geld zurückbekommt. Bei fünf Prozent Wertsteigerung im Jahr dauert das gut fünf Jahre.
Verkaufen dauert
Und verkaufen dauert. Eine Aktie bist du in Sekunden los. Für ein Sammlerstück brauchst du jemanden, der genau dieses Stück will. Das kann Monate dauern, und im falschen Moment klappt es gar nicht.
Hobby oder Geldanlage
Als Hobby ist das alles völlig in Ordnung. Als Geldanlage brauchst du Fachwissen, das man sich über Jahre aufbaut. Wer ohne dieses Wissen kauft, zahlt meistens Lehrgeld.
Renditezahlen für Sammlermärkte sind oft zu schön. Die Indizes beruhen meist darauf, dass dasselbe Stück mehrmals verkauft wurde. Stücke, die niemand mehr kaufen will, fallen dadurch einfach heraus. Übrig bleiben die Gewinner. Fachleute nennen das Survivorship Bias. Die Rendite, die du selbst erzielen könntest, liegt dadurch oft deutlich unter der veröffentlichten Zahl.
Handelskosten im Detail
Der zweite große Faktor sind die Handelskosten. Aufgeld für den Käufer und Provision für den Verkäufer ergeben bei Auktionen zusammen oft zwanzig bis dreißig Prozent des Zuschlagspreises. Steigt der Wert im Jahr um einen mittleren einstelligen Prozentsatz, brauchst du mehrere Jahre, nur um diese Kosten wieder hereinzuholen.
Einzelstücke ohne Erträge
Wirtschaftlich sind Sammlerstücke Einzelstücke, die sich schwer verkaufen lassen und nicht genormt sind. Händler wissen fast immer mehr als du. Wo Echtheit und Zustand schwer zu prüfen sind, entsteht ein Problem, das der Ökonom George Akerlof am Beispiel von Gebrauchtwagen beschrieben hat. Weil Käufer die Qualität nicht sicher erkennen, trägt der Preis diese Unsicherheit, und bezahlen muss sie der, der weniger weiß.
Zusammenfassung
- Renditezahlen zu Sammlerstücken zeigen fast nur die Gewinner.
- Handelskosten von zwanzig bis dreißig Prozent fressen Jahre an Wertsteigerung.
- Ohne Fachwissen weiß der Händler fast immer mehr als du.
Hast du es verstanden?
Warum sind Renditeindizes für Sammlerstücke verzerrt?
Weil sie auf Wiederverkäufen beruhen. Stücke, die niemand mehr will, tauchen darin nicht auf.
Wie hoch sind die Handelskosten bei Auktionen meistens?
Aufgeld und Provision zusammen oft zwanzig bis dreißig Prozent.
Was ist das Problem, wenn Händler mehr wissen als du?
Echtheit und Zustand sind schwer zu prüfen. Die Unsicherheit bezahlt der Käufer, der weniger weiß.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Ein Kunstdruck wird für 5.000 € zugeschlagen, und du zahlst 10 Prozent Aufgeld obendrauf. Beim Verkauf behält das Auktionshaus 10 Prozent vom Zuschlagspreis. Rechne aus, auf welchen Zuschlagspreis der Druck mindestens steigen muss, damit du nur dein Geld zurückbekommst, und um wie viel Prozent das über 5.000 € liegt.
Quellen und Weiterlesen
- Die Ökonomen Jianping Mei und Michael Moses (NYU Stern, Schöpfer des Mei-Moses-Kunstindex) legen in ihrer Studie über wiederverkaufte Kunstwerke offen, dass solche Indizes tendenziell zu Papieren mit erhaltenem Wert verzerrt sind und die ausgewiesene Rendite deshalb als Obergrenze, nicht als realistischer Durchschnitt zu verstehen ist. Quelle ansehen ↗