Trendlinien und Kanäle
Eine Trendlinie verbindet aufeinanderfolgende Tiefpunkte oder Hochpunkte. Sie ist nützlich zur Strukturierung, aber wegen ihrer Freiheitsgrade leicht zu manipulieren.
Du verbindest zwei Tiefpunkte mit einer Linie und verlängerst sie. Berührt der Kurs sie später erneut und dreht dort, gilt die Linie als bestätigt. Zwei parallele Linien bilden einen Kanal.
Das ist ein brauchbares Werkzeug, um Struktur in ein Bild zu bringen. Es hat nur ein Problem, das man kennen sollte: Du entscheidest, welche Punkte du verbindest.
Bei zwanzig Kerzen gibt es sehr viele mögliche Linien. Wer lange genug sucht, findet immer eine, die gut aussieht. Deshalb sieht Chartanalyse im Rückblick überzeugender aus als in Echtzeit.
Ein einfacher Test hilft: Zeichne die Linie und decke die rechte Hälfte des Charts ab. Würdest du sie auch dann so ziehen? Wenn nicht, hast du das Ergebnis in die Linie eingebaut.
Eine Trendlinie ist eine lineare Approximation ausgewählter Extrempunkte. Da sowohl die Auswahl der Punkte als auch die Skalierung frei sind, ist die Zahl plausibler Linien groß. Bei n Extrempunkten existieren n über 2 mögliche Verbindungen, von denen im Rückblick jene ausgewählt werden, die zu späteren Wendepunkten passen. Diese Auswahl nach Kenntnis des Ergebnisses ist die Definition von Overfitting.
Die Skalierung ist ein zusätzlicher Freiheitsgrad. Eine auf linearer Skala gerade Linie ist auf logarithmischer gekrümmt und umgekehrt. Über längere Zeiträume mit erheblichem Kursanstieg führen beide Darstellungen zu deutlich verschiedenen Aussagen, ohne dass eine davon aus dem Verfahren selbst begründet wäre.
Für eine überprüfbare Verwendung müssen sämtliche Parameter vorab festgelegt werden: Definition eines Extrempunkts, Mindestabstand, Anzahl der Berührungen, Toleranzbereich, Skalierung und Definition eines Bruchs. Erst mit diesen Festlegungen ist ein Ansatz auf historischen Daten testbar. Ohne sie handelt es sich um eine Darstellungsform, nicht um eine Methode.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Du wählst die Punkte, und darin liegt die ganze Schwäche.
- Lineare und logarithmische Skala ergeben verschiedene Linien.
- Ohne vorab festgelegte Parameter ist es Darstellung, keine Methode.
Hast du es verstanden?
Warum wirkt Chartanalyse im Rückblick überzeugender?
Weil die Linien nach Kenntnis des Ergebnisses ausgewählt werden. Das ist Overfitting.
Welche Rolle spielt die Skalierung?
Eine auf linearer Skala gerade Linie ist auf logarithmischer gekrümmt. Beide Darstellungen ergeben andere Aussagen.
Was macht aus einer Darstellung eine prüfbare Methode?
Vorab festgelegte Parameter für Extrempunkte, Berührungen, Toleranz, Skalierung und Bruchdefinition.
Passt dazu
- Unterstützung und WiderstandStufe 3
- Fundamental- und technische AnalyseStufe 3
- Einen Chart lesenStufe 3