Trendlinien und Kanäle
Eine Trendlinie verbindet aufeinanderfolgende Tiefs oder Hochs. Sie hilft, Ordnung in einen Chart zu bringen, lässt sich aber leicht so zeichnen, dass sie zur eigenen Meinung passt.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du eine Trendlinie einzeichnen und einschätzen, wo ihre Grenzen liegen.
Du verbindest zwei Tiefpunkte mit einer Linie und verlängerst sie nach rechts. Berührt der Kurs sie später wieder und dreht dort nach oben, gilt die Linie als bestätigt. Zwei parallele Linien bilden einen Kanal.
Das Problem mit Trendlinien
Das ist ein brauchbares Werkzeug, um Ordnung in ein Bild zu bringen. Es hat nur ein Problem, das du kennen solltest: Du entscheidest, welche Punkte du verbindest.
Zu viele mögliche Linien
Bei zwanzig Kerzen gibt es sehr viele mögliche Linien. Wer lange genug sucht, findet meist eine, die gut aussieht. Deshalb wirkt Chartanalyse im Rückblick überzeugender als im laufenden Markt.
Ein einfacher Test
Ein einfacher Test hilft. Zeichne die Linie und deck dann die rechte Hälfte des Charts mit der Hand ab. Hättest du die Linie ohne dieses Wissen genauso gezogen? Wenn nicht, hast du das Ergebnis schon in die Linie eingebaut.
Eine Trendlinie ist eine gerade Linie durch ausgewählte Hoch oder Tiefpunkte. Du wählst die Punkte und die Skalierung selbst, deshalb gibt es sehr viele Linien, die alle plausibel aussehen. Bei zehn Tiefpunkten gibt es schon 45 mögliche Verbindungen zwischen zwei Punkten. Im Rückblick sucht man sich die aus, die zu späteren Wendepunkten passt. Genau das ist Overfitting: die Auswahl, nachdem man das Ergebnis schon kennt.
Freie Wahl der Skalierung
Auch die Skalierung ist frei wählbar. Eine Linie, die auf linearer Skala gerade ist, ist auf logarithmischer gekrümmt und umgekehrt. Über längere Zeiträume mit starkem Anstieg führen beide Darstellungen zu ganz verschiedenen Aussagen, und keine davon ist aus der Methode heraus die richtige.
Trendlinien überprüfbar nutzen
Willst du Trendlinien überprüfbar nutzen, musst du alles vorher festlegen: was als Hoch oder Tief zählt, wie weit die Punkte auseinander sein müssen, wie viele Berührungen es braucht, wie viel Toleranz erlaubt ist, welche Skala du nimmst und was als Bruch gilt. Erst dann kannst du die Methode an alten Daten testen. Ohne diese Regeln ist die Trendlinie eine Art, einen Chart darzustellen, aber keine Methode.
Zusammenfassung
- Du wählst die Punkte aus, und genau darin steckt die Schwäche.
- Lineare und logarithmische Skala ergeben verschiedene Linien.
- Ohne vorher festgelegte Regeln ist es eine Darstellung, keine Methode.
Hast du es verstanden?
Warum wirkt Chartanalyse im Rückblick überzeugender?
Weil die Linien ausgewählt werden, nachdem man das Ergebnis schon kennt. Das ist Overfitting.
Welche Rolle spielt die Skalierung?
Eine Linie, die auf linearer Skala gerade ist, ist auf logarithmischer gekrümmt. Beide Darstellungen führen zu anderen Aussagen.
Was macht aus einer Trendlinie eine prüfbare Methode?
Vorher festgelegte Regeln für Hoch und Tiefpunkte, Berührungen, Toleranz, Skala und Bruch.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Öffne einen Chart deiner Wahl, zeichne eine Trendlinie durch zwei Tiefs und deck die rechte Hälfte mit der Hand ab. Hättest du die Linie ohne das Wissen um den Rest genauso gezogen? Rechne außerdem nach, wie viele Verbindungen zwischen zwei Punkten es bei 12 Tiefpunkten gibt.