Zinsen, Notenbanken und Konjunkturdaten
Der Leitzins ist eine der wichtigsten einzelnen Zahlen für die Finanzmärkte, weil sich viele Anlagen an ihm messen lassen müssen. Konjunkturdaten wirken vor allem darüber, was sie für die künftigen Zinsen bedeuten.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du einschätzen, warum der Leitzins und Konjunkturdaten die Finanzmärkte bewegen.
Steigen die sicheren Zinsen, werden riskante Anlagen im Vergleich weniger reizvoll. Warum solltest du das Risiko von Aktien tragen, wenn dir das Tagesgeld sichere vier Prozent zahlt? Deshalb drücken steigende Zinsen meistens auf die Aktienkurse. 2022 haben die Notenbanken die Zinsen schnell angehoben, und Aktien und Anleihen fielen gleichzeitig deutlich.
Wenn Zinsen sinken
Umgekehrt gilt dasselbe. Sinken die Zinsen, wird Risiko reizvoller, und die Kurse steigen oft. Das ist ein wichtiger Zusammenhang, den du dir merken solltest.
Konjunkturdaten als Umweg
Konjunkturdaten wie Inflation, Arbeitsmarkt oder Wachstum wirken meistens über einen Umweg. Sie verändern, was Anleger von der Notenbank als Nächstes erwarten. Deshalb kann eine gute Nachricht über die Wirtschaft die Kurse fallen lassen, wenn sie höhere Zinsen wahrscheinlicher macht.
Was das für dich heißt
Als langfristiger Anleger musst du deshalb nichts tun. Es hilft aber zu verstehen, warum die Märkte an bestimmten Tagen zucken, statt es für unerklärlich zu halten.
Der Leitzins wirkt auf mehreren Wegen. Erstens ist er der Zinssatz, mit dem Anleger künftige Gewinne auf heute zurückrechnen. Steigt er, sind künftige Gewinne heute weniger wert, und das trifft vor allem Firmen, deren Gewinne weit in der Zukunft liegen, etwa junge Technologiefirmen. Zweitens verändert er, was Firmen für Kredite zahlen, und damit ihre Gewinne. Drittens macht er Anleihen im Vergleich zu Aktien mehr oder weniger attraktiv.
Warum Überraschungen zählen
Wie der Markt reagiert, hängt davon ab, ob die Entscheidung überrascht. Was Anleger von den Notenbanken erwarten, lässt sich an Terminmärkten ablesen. Eine erwartete Zinserhöhung bewegt die Kurse deshalb kaum. Ein überraschender Satz in der Pressekonferenz danach kann dagegen große Bewegungen auslösen.
Konjunkturdaten je nach Lage
Wie Konjunkturdaten wirken, hängt von der Lage ab. Bekämpft die Notenbank gerade vor allem die Inflation, drücken gute Wirtschaftsdaten die Kurse, weil sie strengere Geldpolitik erwarten lassen. Machen sich alle Sorgen ums Wachstum, stützen dieselben Daten die Kurse. Dieselbe Nachricht kann also je nach Umfeld genau entgegengesetzt wirken. Vorhersagen anhand einzelner Zahlen sind deshalb fast wertlos.
Zusammenfassung
- Steigende sichere Zinsen drücken meistens auf riskante Anlagen.
- Es zählt, wie sehr eine Entscheidung überrascht, nicht die Entscheidung selbst.
- Dieselbe Wirtschaftsnachricht wirkt je nach Lage entgegengesetzt.
Hast du es verstanden?
Auf welchen Wegen wirkt der Leitzins?
Über den Zinssatz, mit dem künftige Gewinne zurückgerechnet werden, über die Kreditkosten der Firmen und darüber, wie attraktiv Anleihen im Vergleich sind.
Warum bewegt eine erwartete Zinserhöhung die Märkte kaum?
Weil sie schon im Preis steckt. Bewegungen entstehen, wenn etwas von der Erwartung abweicht.
Warum kann eine gute Wirtschaftsnachricht die Kurse drücken?
Wenn sie strengere Geldpolitik und höhere Zinsen wahrscheinlicher macht.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Stell dir vor, die Notenbank erhöht den Leitzins um einen Prozentpunkt. Schreibe in drei Sätzen auf, über welche Wege das Aktien und Anleihen beeinflusst. Suche dann eine Wirtschaftsnachricht der letzten Woche und notiere, ob sie die Zinserwartungen eher steigen oder sinken lässt.
Quellen und Weiterlesen
- Die Federal Reserve Bank of Atlanta leitet aus Zinsterminmärkten laufend die vom Markt eingepreisten Wahrscheinlichkeiten für künftige Leitzinsentscheidungen ab. Quelle ansehen ↗