Was eine Aktie ist
Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen. Du bist Miteigentümer, hast Anspruch auf einen Teil des Gewinns und trägst im Gegenzug das unternehmerische Risiko.
Stell dir eine Bäckerei vor, die in eine Million gleiche Teile zerlegt wurde. Kaufst du zehn davon, gehören dir zehn Millionstel der Bäckerei: der Ofen, die Rezepte, die Kundschaft und der Gewinn.
Als Miteigentümer hast du zwei Rechte. Du bekommst einen Anteil am ausgeschütteten Gewinn, die Dividende. Und du darfst auf der Hauptversammlung mitstimmen, wobei zehn Millionstel einer Stimme ehrlich gesagt wenig bewirken.
Dafür trägst du das Risiko. Läuft die Bäckerei schlecht, gibt es keine Dividende. Geht sie pleite, ist dein Anteil weg. Mehr als dein eingesetztes Geld kannst du aber nicht verlieren, und das ist ein wichtiger Unterschied zu gehebelten Produkten.
Der Kurs schwankt, weil andere Anleger laufend neu einschätzen, wie es der Bäckerei in Zukunft gehen wird. Kurzfristig hat das oft wenig mit dem Brot zu tun und viel mit Stimmung. Langfristig entscheidet der Gewinn.
Rechtlich verbrieft eine Stammaktie einen Anteil am Grundkapital einer Aktiengesellschaft und damit Mitgliedschaftsrechte: Stimmrecht, Dividendenanspruch, Bezugsrecht bei Kapitalerhöhungen und einen Anspruch auf den Liquidationserlös. Dieser Anspruch ist nachrangig: Im Insolvenzfall werden zuerst Gläubiger und Anleihegläubiger bedient, Aktionäre erhalten nur, was danach übrig bleibt, was in der Praxis meist nichts ist. Vorzugsaktien tauschen typischerweise das Stimmrecht gegen eine bevorzugte Dividende.
Der Wert einer Aktie lässt sich theoretisch als Barwert aller künftigen Zahlungen an den Eigentümer darstellen. Im Dividendendiskontierungsmodell gilt vereinfacht P = D₁ / (r − g), mit D₁ als erwarteter Dividende der kommenden Periode, r als geforderter Rendite und g als Wachstumsrate. Die praktische Bedeutung liegt weniger in der Berechnung, die wegen der Sensitivität gegenüber r und g kaum belastbar ist, sondern in der Erkenntnis, dass ein Kurs immer eine Aussage über die Zukunft ist.
Empirisch bestimmt kurzfristig überwiegend die Veränderung der Bewertungsmultiplikatoren die Kursbewegung, langfristig überwiegend die Gewinnentwicklung. Über Zeiträume von zehn Jahren und mehr nähert sich die Aktienrendite der Summe aus Dividendenrendite und Gewinnwachstum an, während die Multiplikatorveränderung als Beitrag abnimmt. Das ist die quantitative Fassung des Satzes, dass der Markt kurzfristig eine Abstimmungsmaschine und langfristig eine Waage ist.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Eine Aktie macht dich zum Miteigentümer mit Anspruch auf einen Gewinnanteil.
- Im Insolvenzfall stehst du hinter allen Gläubigern, bekommst also meist nichts.
- Kurzfristig entscheidet Stimmung, langfristig der Gewinn.
Hast du es verstanden?
Was besitzt du mit einer Aktie konkret?
Einen Anteil am Unternehmen mit Stimmrecht, Dividendenanspruch und einem nachrangigen Anspruch auf das Restvermögen.
Wo stehst du als Aktionär in einer Insolvenz?
Ganz hinten. Erst werden alle Gläubiger bedient, danach die Aktionäre.
Was treibt die Aktienrendite über zehn Jahre und mehr?
Im Wesentlichen Dividendenrendite und Gewinnwachstum. Bewertungsschwankungen verlieren über die Zeit an Bedeutung.
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