Was eine Anleihe ist
Eine Anleihe ist ein Kredit, den du einem Staat oder Unternehmen gibst. Du bekommst feste Zinsen und am Ende dein Geld zurück, sofern der Schuldner zahlen kann.
Bei der Aktie bist du Miteigentümer. Bei der Anleihe bist du Gläubiger. Du leihst Geld, bekommst dafür jährlich Zinsen und am Ende der Laufzeit den Betrag zurück.
Das klingt sicherer, und meistens ist es das auch. Du stehst im Insolvenzfall vor den Aktionären. Dafür ist deine Rendite gedeckelt: Läuft die Firma glänzend, bekommst du trotzdem nur deine vereinbarten Zinsen.
Anleihen schwanken trotzdem, und der Grund überrascht viele. Steigen die allgemeinen Zinsen, wird deine alte Anleihe mit niedrigem Zins unattraktiv. Niemand zahlt noch den vollen Preis dafür, also fällt ihr Kurs.
Wenn du bis zum Ende hältst, ist dir das egal, du bekommst deinen Betrag zurück. Wenn du vorher verkaufen musst, nicht. Deshalb ist die Laufzeit bei Anleihen so wichtig: Je länger sie ist, desto stärker schwankt der Kurs bei Zinsänderungen.
Eine Anleihe ist ein Zahlungsstrom aus periodischen Kupons und einer Rückzahlung am Laufzeitende. Ihr Kurs entspricht dem Barwert dieses Stroms, diskontiert mit der aktuellen Marktrendite. Steigt die Marktrendite, sinkt der Barwert, und zwar umso stärker, je weiter die Zahlungen in der Zukunft liegen. Das ist der gesamte Mechanismus hinter der inversen Beziehung zwischen Zins und Kurs.
Die Empfindlichkeit wird über die Duration gemessen, die als barwertgewichtete durchschnittliche Kapitalbindungsdauer definiert ist. Die modifizierte Duration gibt näherungsweise die prozentuale Kursänderung je Prozentpunkt Renditeänderung an. Eine Anleihe mit modifizierter Duration von 7 verliert bei einem Renditeanstieg um einen Prozentpunkt grob 7 Prozent an Kurswert. Weil die Beziehung konvex ist, unterschätzt diese lineare Näherung Kursgewinne und überschätzt Kursverluste leicht.
Zu unterscheiden sind zwei Risikoarten. Das Zinsänderungsrisiko betrifft den Kurs während der Laufzeit und verschwindet bei Halten bis zur Endfälligkeit. Das Kreditrisiko betrifft die Zahlungsfähigkeit des Schuldners und verschwindet nicht. Die Renditedifferenz zwischen einer Unternehmensanleihe und einer als sicher geltenden Staatsanleihe gleicher Laufzeit, der Credit Spread, ist der Marktpreis genau dieses Ausfallrisikos.
| Aktie | Anleihe | |
|---|---|---|
| Deine Rolle | Miteigentümer | Gläubiger |
| Ertrag | Dividende und Kursgewinn | Zinsen, Rückzahlung am Ende |
| Obergrenze | keine | auf die vereinbarten Zinsen begrenzt |
| Bei Insolvenz | ganz hinten | vor den Aktionären |
| Hauptrisiko | Geschäft der Firma | Zahlungsfähigkeit und Zinsänderung |
| Schwankung | hoch | geringer, aber nicht null |
| Steigende Zinsen | belasten tendenziell | drücken den Kurs bestehender Anleihen |
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Als Anleihegläubiger stehst du vor den Aktionären, aber deine Rendite ist gedeckelt.
- Steigen die Zinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen.
- Je länger die Laufzeit, desto heftiger diese Kursreaktion.
Hast du es verstanden?
Warum fällt der Kurs einer Anleihe, wenn die Zinsen steigen?
Weil neue Anleihen mehr bieten. Der Barwert der alten, niedriger verzinsten Zahlungen sinkt entsprechend.
Was misst die modifizierte Duration?
Näherungsweise die prozentuale Kursänderung je Prozentpunkt Renditeänderung.
Welches Risiko verschwindet beim Halten bis zur Endfälligkeit und welches nicht?
Das Zinsänderungsrisiko verschwindet, das Kreditrisiko bleibt.
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