Was eine Börse ist
Eine Börse ist ein geregelter Marktplatz, der Kauf- und Verkaufsangebote zusammenführt. Du kaufst nicht von der Firma, sondern von einem anderen Anleger, der gerade verkaufen will.
Die meisten stellen sich die Börse als Ort vor, an dem Firmen Aktien verkaufen. Das stimmt nur beim allerersten Mal, beim Börsengang. Danach handeln Anleger untereinander.
Wenn du eine Aktie kaufst, bekommt die Firma davon keinen Cent. Dein Geld geht an denjenigen, der die Aktie vorher hatte. Die Börse sorgt nur dafür, dass ihr euch findet und dass der Handel geregelt abläuft.
Der Preis entsteht dabei aus dem, was Käufer höchstens zahlen und Verkäufer mindestens nehmen wollen. Treffen sich beide Zahlen, kommt ein Handel zustande. Der letzte solche Handel ist der Kurs, den du siehst.
Deshalb ist der Kurs kein Urteil über die Firma, sondern das Ergebnis der letzten Einigung zwischen zwei Menschen oder zwei Computerprogrammen. Auf lange Sicht orientiert er sich am Zustand der Firma. Auf kurze Sicht oft überhaupt nicht.
Zu unterscheiden sind Primärmarkt und Sekundärmarkt. Am Primärmarkt fließt Kapital an den Emittenten, etwa bei einem Börsengang oder einer Kapitalerhöhung. Am Sekundärmarkt wechseln bestehende Papiere den Eigentümer, ohne dass dem Unternehmen Mittel zufließen. Der volkswirtschaftliche Zweck des Sekundärmarkts liegt in der Liquidität: Nur weil Papiere jederzeit veräußerbar sind, ist der Primärmarkt überhaupt attraktiv.
Die Preisbildung erfolgt im fortlaufenden Handel über ein Orderbuch, in dem Kauf- und Verkaufsorders nach Preis und Zeit sortiert sind. Der beste Kaufpreis heißt Bid, der beste Verkaufspreis Ask, die Differenz Spread. Ein Abschluss entsteht, wenn eine eingehende Order auf eine bestehende Gegenorder trifft. Der zuletzt gehandelte Preis ist der Kurs, was bedeutet, dass ein Kurs immer eine Vergangenheitsangabe über eine einzelne Transaktion ist, nicht ein Preis, zu dem beliebige Mengen handelbar wären.
Neben regulierten Börsen existieren außerbörsliche Handelsplätze und Systeme, an denen Broker Kundenorders intern ausführen. Dabei entsteht ein Interessenkonflikt, wenn der Ausführungsplatz den Broker vergütet. Die relevante Kennziffer für den Anleger ist deshalb nicht die ausgewiesene Ordergebühr allein, sondern die tatsächliche Ausführungsqualität einschließlich Spread.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Beim Aktienkauf zahlst du an einen anderen Anleger, nicht an die Firma.
- Der Kurs ist der letzte zustande gekommene Handel, keine Bewertung.
- Der Spread ist eine Gebühr, die nicht als Gebühr ausgewiesen wird.
Hast du es verstanden?
Bekommt ein Unternehmen Geld, wenn du seine Aktie kaufst?
Nur beim Börsengang oder einer Kapitalerhöhung. Im normalen Handel geht dein Geld an den bisherigen Eigentümer.
Was sagt der angezeigte Kurs genau aus?
Zu welchem Preis zuletzt gehandelt wurde. Er sagt nicht, dass beliebige Mengen zu diesem Preis handelbar wären.
Warum reicht der Vergleich der Ordergebühr nicht aus?
Weil der Spread und die Ausführungsqualität zusätzliche, nicht ausgewiesene Kosten verursachen.