Strategiearten im Überblick
Ein Überblick über die verbreiteten Familien von Strategien: Momentum, Mean Reversion, Suche nach günstigen Aktien, Pairs Trading und automatische Bots. Zum Verstehen gedacht, nicht zum Nachhandeln.
Diese Seiten sind bewusst anders aufgebaut als das meiste, was du sonst über Tradingstrategien findest. Hier steht nicht, welche Regeln du befolgen sollst. Hier steht, welche Arten von Strategien es gibt, was die Forschung über Jahrzehnte dazu herausgefunden hat und wo die Schwächen liegen.
Der Grund ist einfach. Eine Regel wie „Kauf, wenn der Kurs über dem Durchschnitt der letzten 200 Tage liegt“ klingt nach einer Anleitung. Ohne Zusammenhang ist sie aber nutzlos oder sogar gefährlich. Worum es hier geht, ist zu verstehen, warum eine Familie von Strategien über lange Zeit und an vielen Märkten überhaupt funktioniert hat, und warum das mit der Zeit oft nachlässt.
Jede der folgenden Seiten behandelt eine solche Familie: die Grundidee, ein bekanntes Ergebnis aus der Forschung, die Erklärungen, warum es den Effekt überhaupt gibt, und die Gründe, warum er in der Praxis schwerer zu nutzen ist als auf dem Papier.
Ein Muster zieht sich durch fast alle: In Studien funktionierten die Strategien besser als im Depot eines einzelnen Anlegers. Handelskosten, Steuern, Slippage und die Konkurrenz durch Profis fressen einen großen Teil der gemessenen Mehrrendite auf. Das ist kein Zufall. In einem Markt, in dem viele nach genau solchen Vorteilen suchen, bleibt für den Einzelnen wenig übrig.
Studien zu Tradingstrategien rechnen fast immer mit alten Kursen und vereinfachten Annahmen zu den Kosten. Die gemessene Mehrrendite bezieht sich auf breit gestreute Depots mit hunderten Aktien, die oft nur einmal im Monat oder im Quartal umgeschichtet werden. Auf die einzelne Position eines Privatanlegers mit wenig Geld lässt sie sich nicht einfach übertragen.
Außerdem zeigt die Forschung immer wieder, dass Effekte schwächer werden, nachdem sie veröffentlicht wurden. Sobald ein Effekt in einer Studie steht, versucht Geld, ihn auszunutzen. Dieses Geld verändert die Preise und macht die Mehrrendite danach kleiner. Eine große Untersuchung von McLean und Pontiff fand, dass die Effekte nach ihrer Veröffentlichung im Schnitt um mehr als die Hälfte schwächer waren. Bei mehreren der hier behandelten Familien ist das belegt.
Für dich als Privatanleger heißt das: Eine Strategie, die in der Forschung belegt ist, verspricht dir keine bestimmte künftige Rendite. Sie beschreibt ein Muster aus der Vergangenheit mit einer plausiblen, aber nicht endgültig geklärten Erklärung. Alles, was in den Lektionen Backtesting und Overfitting steht, gilt für jede der folgenden Seiten.
Zusammenfassung
- Diese Seiten erklären Arten von Strategien, sie empfehlen keine.
- Ergebnisse aus Studien gelten für breit gestreute Depots über lange Zeit, nicht automatisch für einzelne Positionen.
- Viele Effekte werden schwächer, sobald sie bekannt sind und viele sie nutzen.
Hast du es verstanden?
Was unterscheidet diese Seiten von einer Handelsanleitung?
Sie erklären, wie eine Familie von Strategien funktioniert und was die Forschung dazu sagt, geben aber keine Regeln zum Nachhandeln.
Warum werden akademisch belegte Effekte in der Praxis oft schwächer?
Weil Geld, das den Effekt ausnutzen will, die Preise verändert und die künftige Mehrrendite kleiner macht.
Für welche Art von Portfolio gelten die meisten Studienergebnisse?
Für breit gestreute Depots, die lange gehalten werden, und nicht für einzelne Positionen mit wenig Geld.
Passt dazu
- Momentum und TrendfolgeStrategiearten
- Mean ReversionStrategiearten
- Pairs Trading und statistische ArbitrageStrategiearten