Pairs Trading und statistische Arbitrage
Zwei sich normalerweise ähnlich bewegende Wertpapiere werden gehandelt, sobald sie auseinanderlaufen, in der Erwartung, dass sich der Abstand wieder schließt. Historisch gut belegt, mit klar dokumentiertem Rückgang der Profitabilität seit den frühen 2000er-Jahren.
Bei Pairs Trading sucht man sich zwei Wertpapiere, die sich normalerweise sehr ähnlich bewegen, etwa zwei Firmen aus derselben Branche. Laufen sie ungewöhnlich weit auseinander, kauft man die relativ günstigere und verkauft leer die relativ teurere, in der Erwartung, dass sich der Abstand wieder schließt.
Die grundlegende Untersuchung dazu stammt von den Ökonomen Evan Gatev, William Goetzmann und Geert Rouwenhorst. Sie testeten die Strategie mit täglichen Kursdaten von 1962 bis 2002 und fanden für die besten Paare eine deutliche jährliche Überrendite, die auch nach Abzug vorsichtig geschätzter Handelskosten bestehen blieb.
Der entscheidende Punkt für die Einordnung ist die zeitliche Entwicklung. Dieselben Autoren dokumentierten bereits, dass die Profitabilität in den letzten Jahren ihres Untersuchungszeitraums nachließ. Nachfolgende Untersuchungen mit Daten bis 2009 fanden einen weiteren deutlichen Rückgang, unter anderem weil immer mehr Kapital in ähnliche Strategien floss und die Abweichungen dadurch kleiner und kürzer wurden.
Das ist ein Lehrbuchbeispiel für ein Muster, das bei mehreren Strategiearten wiederkehrt: Ein Effekt wird gefunden, veröffentlicht, von immer mehr professionellen Anbietern genutzt, und schwächt sich dadurch selbst ab. Was in den 1960er-Jahren eine verlässliche Einkommensquelle war, ist heute ein hart umkämpftes Feld unter spezialisierten Hedgefonds mit sehr schneller Ausführung.
Gatev, Goetzmann und Rouwenhorst (2006) bildeten Paare nach minimalem Abstand normalisierter historischer Kurse und fanden für die zwanzig besten Paare annualisierte Überrenditen von etwa elf Prozent über den vollen Untersuchungszeitraum 1962 bis 2002, wobei sie sowohl sofortige als auch um einen Tag verzögerte Ausführung testeten, um Data-Snooping-Effekte auszuschließen.
Do und Faff (2010, 2012) replizierten die Methodik auf US-Aktien bis 2009 und dokumentierten einen weiteren deutlichen Rückgang der Profitabilität gegenüber dem ursprünglichen Untersuchungszeitraum, den sie überwiegend auf einen wachsenden Anteil nicht konvergierender Paare zurückführen. Zhu (2024) findet bei einer Replikation mit Daten der letzten zwanzig Jahre weiterhin positive, aber gegenüber dem ursprünglichen Zeitraum kleinere Überrenditen und identifiziert unter anderem den Ausfallspread als erklärenden Faktor, was auf eine Kompensation für Risiko statt auf reine Marktineffizienz hindeutet.
Ökonomisch wird die Strategie als eine Form der statistischen Arbitrage eingeordnet, bei der die Divergenz zweier eng verwandter Wertpapiere ausgenutzt wird, ohne dass eine der beiden Positionen als über- oder unterbewertet im absoluten Sinne gelten muss. Gatev u. a. weisen selbst darauf hin, dass die dokumentierte Verringerung der Renditen zeitlich mit einem massiven Zufluss von Kapital in verwandte, marktneutrale Hedgefonds-Strategien zusammenfällt, was die Erklärung stützt, dass zunehmender Wettbewerb die Gelegenheiten selbst verkleinert.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Pairs Trading setzt auf die Rückkehr zweier eng verwandter Wertpapiere zu ihrem üblichen Abstand.
- Die ursprüngliche Untersuchung fand deutliche Überrenditen über vierzig Jahre bis 2002.
- Nachfolgende Untersuchungen zeigen einen klaren Rückgang, vermutlich durch zunehmenden Wettbewerb.
Hast du es verstanden?
Was ist die Grundidee von Pairs Trading?
Zwei eng verwandte Wertpapiere zu handeln, sobald sie ungewöhnlich weit auseinanderlaufen, in Erwartung einer Rückkehr zum üblichen Abstand.
Was fanden Gatev, Goetzmann und Rouwenhorst für den Zeitraum 1962 bis 2002?
Für die besten Paare annualisierte Überrenditen von etwa elf Prozent, auch nach vorsichtig geschätzten Handelskosten.
Worauf führen Do und Faff den Rückgang der Profitabilität nach 2002 überwiegend zurück?
Auf einen wachsenden Anteil nicht konvergierender Paare.
Quellen und Weiterlesen
- Gatev, E., Goetzmann, W. N. und Rouwenhorst, K. G. (2006), Pairs Trading: Performance of a Relative-Value Arbitrage Rule, Review of Financial Studies
- Do, B. und Faff, R. (2010), Does Simple Pairs Trading Still Work?, Financial Analysts Journal
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