Perpetuals
Perpetual Futures (kurz Perpetuals) sind Krypto-Futures ohne Verfallsdatum. Eine wiederkehrende Finanzierungsrate hält ihren Preis nah am Markt und ist eine laufende Kostenposition, die viele übersehen.
Ein normaler Future hat ein festes Verfallsdatum, an dem die Position glattgestellt wird. Ein Perpetual dagegen läuft unbegrenzt weiter, solange du Margin und Positionsgröße im erlaubten Rahmen hältst. Auf Krypto-Börsen ist er das mit Abstand meistgehandelte Hebelprodukt.
Weil es kein Verfalldatum gibt, braucht es einen anderen Mechanismus, damit der Perpetual-Preis nicht vom tatsächlichen Marktpreis (dem Spotpreis) wegdriftet: die Finanzierungsrate. Meist alle acht Stunden zahlt die Seite mit dem Mehrheitsinteresse (long oder short) einen kleinen Betrag an die Gegenseite.
Diese Zahlung ist unabhängig davon, ob deine Position im Gewinn oder Verlust liegt, und wird direkt von deinem Kontostand abgebucht. Bei stark einseitig positionierten Märkten, etwa in ausgeprägten Trendphasen, kann sich das über Tage zu einer spürbaren Kostenposition summieren.
Hinzu kommt der auf Krypto-Börsen oft sehr hohe angebotene Hebel, teils 50-fach oder mehr. In Kombination mit der ohnehin hohen Schwankung vieler Kryptowerte führt das zu besonders häufigen Liquidationen.
Die Finanzierungsrate setzt sich meist aus zwei Teilen zusammen: einer Zinskomponente und einer Prämienkomponente, die sich aus der Differenz zwischen Perpetual-Preis und Spotpreis ergibt. Notiert der Perpetual über dem Spotpreis, zahlen Long-Positionen an Short-Positionen, was den Anreiz zum Verkaufen erhöht und den Preis wieder annähert. Umgekehrt bei einem Perpetual unter dem Spotpreis.
Die Rate wird üblicherweise alle acht Stunden fällig, auf manchen Plattformen kontinuierlich berechnet. Bei anhaltend positiven Raten von etwa 0,01 bis 0,05 Prozent pro Achtstundenintervall ergeben sich hochgerechnet mehrere Prozent Kosten pro Monat allein aus dem Halten einer Position in eine Richtung, unabhängig vom Kursverlauf.
Weil viele Börsen zusätzlich einen Versicherungsfonds und automatische Deleveraging-Mechanismen einsetzen, um Verluste aus nicht vollständig gedeckten Liquidationen aufzufangen, kann es in extremen Marktphasen zu Zwangsschließungen profitabler Gegenpositionen kommen. Das ist ein strukturelles Risiko, das bei einem regulären Terminmarkt mit zentraler Clearingstelle in dieser Form nicht auftritt.
Zusammenfassung
- Perpetuals haben kein Verfallsdatum, dafür eine wiederkehrende Finanzierungsrate.
- Diese Rate ist eine laufende Kostenposition, unabhängig vom Handelserfolg.
- Hoher angebotener Hebel führt bei Kryptowerten besonders häufig zu Liquidationen.
Hast du es verstanden?
Was unterscheidet einen Perpetual von einem klassischen Future?
Der Perpetual hat kein Verfallsdatum. Statt einer Fälligkeit sorgt eine wiederkehrende Finanzierungsrate dafür, dass sein Preis nah am Spotpreis bleibt.
Wer zahlt die Finanzierungsrate?
Die Seite mit dem Mehrheitsinteresse zahlt an die Gegenseite, meist mehrmals täglich, unabhängig davon, ob die Position im Gewinn oder Verlust liegt.
Warum sind Perpetuals besonders liquidationsanfällig?
Weil Börsen dort oft sehr hohen Hebel anbieten und die zugrunde liegenden Kryptowerte selbst schon stark schwanken.
Verstehens-Check
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