FOMO
Die Angst, etwas zu verpassen, ist der häufigste Grund für den Einstieg zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt: dann, wenn eine Bewegung bereits gelaufen ist.
FOMO fühlt sich nicht wie Gier an, sondern wie Vernunft. Alle verdienen gerade, du stehst daneben, und es wirkt fast fahrlässig, nicht mitzumachen.
Das Problem ist der Zeitpunkt. Damit du davon hörst, muss die Bewegung schon groß genug gewesen sein, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Du steigst also strukturell spät ein.
Dazu kommt eine Verzerrung: Du siehst die Gewinne der anderen, weil sie darüber reden. Die Verluste siehst du nicht, weil niemand sie postet. Dein Eindruck vom Markt ist deshalb systematisch schief.
Das beste Gegenmittel ist eine Wartefrist. Wenn du unbedingt etwas kaufen willst, schreib es auf und warte eine Woche. Nach einer Woche ist die Erregung weg, und du entscheidest mit demselben Kopf, mit dem du auch sonst entscheidest.
FOMO lässt sich als Zusammenspiel aus Verfügbarkeitsheuristik, sozialem Beweis und Rezenz beschreiben. Auffällige, jüngste und häufig kommunizierte Ereignisse werden in ihrer Wahrscheinlichkeit überschätzt, während die stille Mehrheit der nicht erfolgreichen Fälle kognitiv nicht verfügbar ist.
Verstärkt wird das durch Selektionsverzerrung in sozialen Netzwerken. Gewinne werden überproportional geteilt, Verluste kaum. Die wahrgenommene Erfolgsquote liegt dadurch systematisch über der tatsächlichen. Bei Plattformen mit algorithmischer Sortierung nach Interaktion verstärkt sich der Effekt zusätzlich, da auffällige Gewinnmeldungen mehr Reaktionen erzeugen.
Aus Marktsicht fällt die Phase maximaler Aufmerksamkeit typischerweise mit einem ungünstigen Verhältnis von Chance zu Risiko zusammen, da ein Großteil der Bewegung bereits eingepreist ist und die Positionierung überwiegend auf einer Seite liegt. Eine einseitige Positionierung erhöht zugleich die Anfälligkeit für scharfe Gegenbewegungen, weil bei einer Umkehr wenige Käufer verbleiben.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Bis du davon hörst, ist die Bewegung schon gelaufen.
- Du siehst die Gewinne der anderen, nicht ihre Verluste.
- Eine Woche Wartefrist löst die meisten FOMO-Käufe auf.
Hast du es verstanden?
Warum steigt man bei FOMO strukturell spät ein?
Weil eine Bewegung erst groß sein muss, um überhaupt Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Warum ist dein Eindruck aus sozialen Netzwerken verzerrt?
Gewinne werden geteilt, Verluste nicht. Die wahrgenommene Erfolgsquote liegt über der tatsächlichen.
Was ist ein einfaches Gegenmittel?
Eine feste Wartefrist von etwa einer Woche zwischen Kaufwunsch und Kauf.
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