Stufe 2
51 Fragen
Warum ist ein Totalverlust nicht mit hoher Rendite aufholbar?
Weil Renditen multiplikativ wirken. Ein Faktor null macht das gesamte Produkt null.
Was ist ein absorbierender Zustand?
Ein Zustand, aus dem heraus keine Rückkehr möglich ist, hier der Totalverlust.
Kann eine Strategie mit positivem Erwartungswert sicher ruinieren?
Ja, wenn sie über die Zeit mit ausreichender Wahrscheinlichkeit den absorbierenden Zustand erreicht.
Was genau begrenzt die Ein-Prozent-Regel?
Den maximalen Verlust einer Position, nicht das eingesetzte Kapital.
Warum wird nur ein Bruchteil des Kelly-Einsatzes verwendet?
Weil Trefferquote und Gewinnverhältnis geschätzt und meist überschätzt werden.
Warum reicht die Regel je Position nicht aus?
Weil korrelierte Positionen sich gleichzeitig bewegen und ihr Risiko sich nahezu addiert.
Wie lautet die Grundformel für die Stückzahl?
Erlaubter Verlust in Euro geteilt durch den Abstand zwischen Einstieg und Stop je Stück.
Was passiert, wenn du den Stop eng setzt, damit die Position größer wird?
Die Position wird mit hoher Wahrscheinlichkeit durch normale Schwankung ausgestoppt.
Woran bemisst sich das Risiko bei Hebelprodukten?
Am Nominalwert der bewegten Position, nicht an der hinterlegten Sicherheit.
Welche Trefferquote braucht ein Verhältnis von drei zu eins für ein Nullergebnis?
25 Prozent, denn 1 geteilt durch 1 plus 3 ergibt 0,25.
Warum verbessert ein höheres Kursziel eine Strategie nicht automatisch?
Weil weiter entfernte Ziele seltener erreicht werden. Die Trefferquote sinkt entsprechend.
Warum liegt das realisierte Verhältnis unter dem geplanten?
Weil Gewinne oft vorzeitig mitgenommen werden und Verluste durch Slippage und Gaps größer ausfallen können.
Wie berechnet man den Erwartungswert eines Trades?
Trefferquote mal durchschnittlicher Gewinn minus Fehlerquote mal durchschnittlicher Verlust, jeweils nach Kosten.
Was passiert bei negativem Erwartungswert, wenn man häufiger handelt?
Der Verlust tritt schneller ein. Häufigkeit verstärkt das Vorzeichen.
Warum sind dreißig Trades keine belastbare Grundlage?
Weil der Standardfehler der Schätzung nur mit der Wurzel der Beobachtungszahl fällt.
Welcher Gewinn gleicht einen Verlust von 80 Prozent aus?
400 Prozent, denn aus 20 müssen wieder 100 werden.
Warum wächst der nötige Ausgleich überproportional?
Weil er auf die verkleinerte Basis angewandt wird. Der Ausdruck 1/(1−d) − 1 wächst gegen unendlich.
Wie sollte man einen historischen maximalen Drawdown lesen?
Als Untergrenze dessen, was künftig möglich ist, nicht als Obergrenze.
Welches Risiko lässt sich wegdiversifizieren und welches nicht?
Titelspezifisches Risiko verschwindet mit steigender Anzahl, das gemeinsame Marktrisiko bleibt.
Warum bringen zehn Aktien derselben Branche wenig Streuung?
Weil ihre Kovarianz nahe an ihrer Einzelvarianz liegt. Sie bewegen sich gemeinsam.
Was ist der Korrelationsbruch?
In Stressphasen steigen die Korrelationen zwischen Risikoanlagen, wodurch Streuung genau dann am schwächsten wirkt.
Bei welcher Kursbewegung ist bei Hebel 25 der Einsatz weg?
Bei vier Prozent, denn 100 geteilt durch 25 ergibt 4.
Warum sinkt die Wachstumsrate ab einem bestimmten Hebel?
Weil die Varianz mit dem Quadrat des Hebels wächst, der Erwartungswert aber nur linear.
Was passiert mit täglichen Hebelprodukten in Seitwärtsmärkten?
Sie verlieren durch die Pfadabhängigkeit systematisch an Wert.
Warum liegt die tatsächliche Liquidationsschwelle näher am Einstieg als 1 geteilt durch den Hebel?
Weil Finanzierungskosten, Gebühren und der Erhaltungsspielraum zusätzlich abgezogen werden.
Was bedeutet eine Nachschusspflicht?
Dass Forderungen über den eingesetzten Betrag hinaus entstehen können.
Wie entsteht eine Liquidationskaskade?
Zwangsverkäufe drücken den Preis, wodurch weitere Positionen ihre Schwelle erreichen und ebenfalls geschlossen werden.
Was besitzt du beim Kauf eines CFDs?
Nichts. Du hast einen Vertrag über die Zahlung einer Kursdifferenz mit dem Anbieter.
Woher stammt die Verlustquote in der Werbung?
Vom Anbieter selbst. Es ist eine aufsichtsrechtliche Pflichtangabe über seine eigenen Privatkunden.
Welcher Interessenkonflikt kann bestehen?
Wenn der Anbieter die Gegenposition selbst hält, werden Kundenverluste zu seinen Erträgen.
Warum versagen gute Vorsätze in einer Krise?
Weil unter Unsicherheit, Zeitdruck und Erregung das schnelle, affektgetriebene System dominiert.
Was ist die Renditelücke bei Fondsanlegern?
Anleger erzielen weniger als ihr eigener Fonds, weil sie prozyklisch kaufen und verkaufen.
Warum wirken automatisierte Sparpläne?
Weil sie die Handlungsoption entfernen, statt zu verlangen, dass man die Emotion beherrscht.
Warum steigt man bei FOMO strukturell spät ein?
Weil eine Bewegung erst groß sein muss, um überhaupt Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Warum ist dein Eindruck aus sozialen Netzwerken verzerrt?
Gewinne werden geteilt, Verluste nicht. Die wahrgenommene Erfolgsquote liegt über der tatsächlichen.
Was ist ein einfaches Gegenmittel?
Eine feste Wartefrist von etwa einer Woche zwischen Kaufwunsch und Kauf.
Was besagt die Prospect Theory über Verluste?
Sie werden gegenüber einem Referenzpunkt bewertet und wiegen etwa doppelt so schwer wie gleich große Gewinne.
Warum wird man nach Verlusten risikofreudiger?
Weil die Wertfunktion im Verlustbereich konvex verläuft. Die Rückkehr zum Referenzpunkt wird übergewichtet.
Welche Frage entlarvt eine gehaltene Verlustposition?
Ob man sie heute zu diesem Kurs neu kaufen würde.
Auf welchen Ebenen wirkt der Bestätigungsfehler?
Bei der Auswahl der Quellen, der Gewichtung der Belege und der Erinnerung.
Was ist ein Falsifikationskriterium?
Ein vorab festgelegtes Ereignis, an dem du erkennen würdest, dass deine These falsch war.
Was ist eine Prämortem-Analyse?
Man unterstellt, die Entscheidung sei gescheitert, und sammelt vorab die plausibelsten Gründe dafür.
Warum ist der Rachetrade das Gegenteil von wachstumsoptimalem Verhalten?
Weil der optimale Einsatz proportional zum Kapital ist und nach einem Verlust sinken müsste, nicht steigen.
Wie stark wirken Handelskosten bei hoher Frequenz?
Linear mit der Frequenz. Sie können eine typische erwartete Risikoprämie weitgehend aufzehren.
Welche Regel schützt an schlechten Tagen?
Ein festes Tagesverlustlimit oder eine maximale Zahl von Trades, unabhängig von der Einschätzung im Moment.
Was ist der Ergebnisfehler?
Eine Entscheidung nach ihrem Ausgang statt nach ihrer Qualität zu bewerten.
Warum muss die These vor dem Ergebnis notiert werden?
Wegen des Rückschaufehlers. Nach bekanntem Ausgang passt sich die erinnerte Begründung an.
Welche Kennzahl ist wichtiger als die Trefferquote?
Der Erwartungswert, ergänzt um den Anteil regelkonformer Trades.
Warum sind bisherige Verluste kein Argument für das Weitermachen?
Weil versunkene Kosten für die künftige Entscheidung irrelevant sind. Es zählt nur der erwartete künftige Ertrag.
Warum reicht eine Verlustserie allein nicht als Beweis für eine schlechte Strategie?
Weil sie auch bei positiver Erwartung durch normale Streuung entstehen kann. Nötig ist zusätzlich die Betrachtung der Regelkonformität.
Wann ist die Frage keine Rechenfrage mehr?
Wenn das Handeln Schlaf, Beziehungen oder Arbeit beeinträchtigt. Dann sind Gespräch und fachliche Unterstützung angezeigt.