Overtrading und Rachetrading
Wer zu oft handelt, zahlt viele Gebühren und macht mehr Fehler. Der Rachetrade nach einem Verlust ist eine besonders gefährliche Form davon und hat schon viele Konten geleert.
Lernziel: Nach dieser Lektion erkennst du Overtrading und Rachetrades bei dir selbst, bevor sie dein Konto leeren.
Jeder Trade kostet Spread und Gebühren. Wer jeden Tag handelt, zahlt diese Kosten hunderte Male im Jahr. Schon das macht aus einer Strategie, die sonst null bringen würde, eine, die Geld verliert.
Ermüdung vor dem Bildschirm
Dazu kommt der Kopf. Wer ständig handelt, sitzt ständig vor dem Bildschirm und wird müde. Müde Menschen entscheiden schlechter, das ist gut untersucht.
Der Rachetrade
Besonders gefährlich ist der Rachetrade. Nach einem Verlust sofort wieder rein, größer als vorher, um es zurückzuholen. Das fühlt sich entschlossen an und ist ein verbreiteter Weg, ein Konto zu leeren.
Ein Warnsignal
Merkst du, dass du gerade handelst, um dich besser zu fühlen, und nicht, weil eine Regel es sagt, dann hör auf. Sofort, nicht nach dem nächsten Trade. Eine feste Regel hilft: Nach zwei Verlusten am selben Tag ist Schluss für heute.
Ein Beispieltrade mit erfundenen Zahlen
Felix hat 10.000 € auf dem Konto und handelt dreimal am Tag. Jeder Trade kostet ihn 2 € Gebühren für Kauf und Verkauf und etwa 3 € Spread, zusammen also 5 €.
An 220 Handelstagen im Jahr sind das 660 Trades und 3.300 € Kosten. Seine Strategie müsste also 33 Prozent im Jahr verdienen, nur damit er bei null herauskommt.
Handelt Felix stattdessen zweimal pro Woche, sind es rund 104 Trades und 520 € Kosten, gut 5 Prozent. Dieselbe Strategie hat dann eine ganz andere Chance, am Ende etwas übrig zu lassen.
Die Kosten wachsen im selben Verhältnis wie die Zahl deiner Trades. Tauschst du dein ganzes Depot einmal im Monat um und kostet jeder Umtausch alles in allem 0,2 Prozent, sind das rund 2,4 Prozent im Jahr. Das frisst einen großen Teil der Risikoprämie auf, die Aktien im Schnitt bringen.
Rachetrades und Kontowachstum
Der Rachetrade ist genau das Gegenteil von dem, was ein Konto auf Dauer wachsen lässt. Wie viel du einsetzt, sollte sich nach deinem Kapital richten. Nach einem Verlust hast du weniger Kapital, also müsstest du weniger einsetzen. Wer stattdessen mehr einsetzt, kombiniert ein schrumpfendes Konto mit steigendem Einsatz. Die Gefahr, alles zu verlieren, wächst dadurch sehr schnell.
Qualität der Entscheidungen
Studien zeigen, dass die Qualität von Entscheidungen deutlich nachlässt, wenn man lange ohne Pause gefordert ist. Deshalb lohnen sich harte Grenzen, die unabhängig davon gelten, wie du dich gerade fühlst, etwa eine Höchstzahl von Trades pro Tag oder ein Verlustlimit pro Tag. Fällt es dir dauerhaft schwer, solche Grenzen einzuhalten, oder nimmt das Handeln immer mehr Platz in deinem Alltag ein, nimm das ernst. Sprich mit jemandem darüber und hol dir Unterstützung, zum Beispiel bei einer kostenlosen, anonymen Beratung.
Zusammenfassung
- Die Kosten wachsen im selben Verhältnis wie die Zahl der Trades.
- Nach einem Verlust müsste der Einsatz sinken, nicht steigen.
- Handelst du, um dich besser zu fühlen, ist das dein Signal aufzuhören.
Hast du es verstanden?
Warum ist der Rachetrade das Gegenteil von dem, was ein Konto wachsen lässt?
Weil sich der Einsatz nach dem Kapital richten sollte. Nach einem Verlust müsste er sinken, nicht steigen.
Wie stark wirken Handelskosten, wenn man viel handelt?
Sie wachsen mit der Zahl der Trades und können einen großen Teil der üblichen Rendite von Aktien auffressen.
Welche Regel schützt dich an schlechten Tagen?
Ein festes Verlustlimit pro Tag oder eine Höchstzahl von Trades, egal wie du dich gerade fühlst.
Was andere dazu oft fragen
Wie gehe ich mit einer Verlustserie um?
Mit Regeln, die vorher feststehen: nach einer bestimmten Zahl von Verlusten Pause machen und die Positionsgröße verkleinern. Eine Serie ist bei jeder Strategie normal und kein Grund, das Risiko zu erhöhen.
Was hilft gegen Rachetrading?
Eine feste Tagesgrenze und Abstand vom Bildschirm. Wer nach einem Verlust sofort den nächsten Trade sucht, handelt aus Ärger, nicht nach Plan.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Du hast ein Konto von 8.000 € und handelst zweimal täglich an 220 Tagen im Jahr. Jeder Trade kostet 3 € Gebühren und 2 € Spread. Berechne die Jahreskosten und wie viel Prozent Rendite du allein dafür brauchst. Formuliere dann eine eigene Regel, wann für dich am selben Tag Schluss ist, wenn Verluste auflaufen.
Quellen und Weiterlesen
- Die Studie von Barber und Odean (2000) im Journal of Finance zeigt anhand von über 60.000 US-Haushaltsdepots, dass die am häufigsten handelnden Anleger mit 11,4 Prozent pro Jahr deutlich hinter der Marktrendite von 17,9 Prozent zurückblieben. Quelle ansehen ↗
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