Die wichtigsten Kennzahlen
Kennzahlen fassen eine Firma in wenigen Werten zusammen. Innerhalb einer Branche sind sie nützlich. Vergleichst du damit Firmen aus verschiedenen Branchen, führen sie dich in die Irre.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du Kennzahlen von Firmen innerhalb einer Branche sinnvoll vergleichen, statt sie quer über Branchen falsch zu deuten.
Das KGV vergleicht den Kurs mit dem Gewinn je Aktie. Ein KGV von 20 heißt: Du zahlst das Zwanzigfache des Jahresgewinns. Bliebe der Gewinn gleich, hätte die Firma deinen Kaufpreis nach zwanzig Jahren wieder verdient.
KBV und Substanz
Das KBV vergleicht den Kurs mit dem Eigenkapital je Aktie laut Bilanz. Es taugt vor allem bei Firmen mit viel Substanz wie Banken oder Industriekonzernen und wenig bei Firmen, deren Wert in Software oder einer Marke steckt.
Eigenkapitalquote und Dividende
Die Eigenkapitalquote zeigt, wie viel der Firma wirklich gehört und wie viel auf Kredit läuft. Die Dividendenrendite zeigt, wie viel Dividende du im Verhältnis zum Kurs bekommst.
Vergleich innerhalb der Branche
Einer der wichtigsten Sätze zu allen Kennzahlen: Vergleich sie innerhalb einer Branche. Ein KGV von 12 ist bei einem Softwarehaus sehr niedrig und bei einem Stahlkonzern ganz normal. Wer Branchen durcheinanderwirft, bekommt zuverlässig falsche Antworten.
Dreht man das KGV um, bekommt man die Gewinnrendite. Ein KGV von 20 entspricht 5 Prozent Gewinnrendite. Aus einem einfachen Wachstumsmodell folgt: Ein hohes KGV drückt entweder aus, dass die Anleger viel Wachstum erwarten, oder dass sie mit wenig Rendite zufrieden sind. Das KGV ist also keine Bewertung. Es fasst Erwartungen zusammen.
Nachlaufendes und vorausschauendes KGV
Es gibt zwei Varianten. Das nachlaufende KGV nimmt die tatsächlichen Gewinne des letzten Jahres, das vorausschauende die Schätzungen von Analysten, die im Schnitt zu optimistisch sind. Bei Firmen, deren Gewinne mit der Konjunktur schwanken, führt das nachlaufende KGV in die Irre. Am Gipfel der Gewinne sieht es niedrig aus, im Tal hoch, obwohl es genau umgekehrt ist. Ein Chemiekonzern mit KGV 8 am Höhepunkt des Booms ist oft teurer, als er aussieht. Abhilfe schaffen Varianten, die den Gewinn über mehrere Jahre mitteln, etwa das Shiller KGV.
Aussagekraft des KBV
Wie aussagekräftig das KBV ist, hängt von der Buchhaltung ab. Was eine Firma selbst aufbaut, etwa eine Marke oder eine Software, steht meistens gar nicht in der Bilanz. Was sie zukauft, steht als Geschäfts oder Firmenwert darin. Zwei Firmen, die sich wirtschaftlich ähneln, können dadurch ganz verschiedene KBVs haben, je nachdem, ob sie selbst gebaut oder gekauft haben.
Zusammenfassung
- Ein KGV fasst Erwartungen zusammen, es ist keine Bewertung.
- Bei Firmen mit schwankenden Gewinnen sieht das KGV im Boom trügerisch niedrig aus.
- Kennzahlen nur innerhalb einer Branche vergleichen.
Hast du es verstanden?
Was drückt ein hohes KGV aus?
Hohe Erwartungen an das Wachstum oder dass Anleger mit wenig Rendite zufrieden sind. Teuer ist die Aktie damit nicht automatisch.
Warum ist das KGV bei Firmen mit schwankenden Gewinnen tückisch?
Am Gipfel der Gewinne wirkt es niedrig und im Tal hoch, obwohl die Lage jeweils umgekehrt ist.
Warum sagt das KBV bei Softwarefirmen wenig?
Weil selbst geschaffene Werte wie Software oder Marken meistens gar nicht in der Bilanz stehen.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Eine Aktie kostet 50 €, der Gewinn je Aktie liegt bei 4 €. Berechne das KGV und die Gewinnrendite. Notiere dann, mit welcher Firma aus derselben Branche du diese Zahl vergleichen würdest und warum ein Vergleich mit einer Firma aus einer anderen Branche zu falschen Schlüssen führen kann.
Quellen und Weiterlesen
- Eine NBER-Studie dokumentiert, dass optimistisch verzerrte Analystenschätzungen systematisch mit schwächeren Folgerenditen der betroffenen Aktien zusammenhängen. Quelle ansehen ↗