Bevor du einen Euro anlegst
Bevor du anlegst, brauchst du drei Dinge: keine teuren Schulden, ein Polster für Notfälle und Geld, das du ein paar Jahre nicht brauchst. Fehlt eines davon, ist Anlegen noch nicht dran.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du mit drei Fragen selbst entscheiden, ob Anlegen für dich gerade passt.
Fast jede Seite über Geldanlage fängt mit der Frage an, welche Aktie man kaufen soll. Viel wichtiger ist eine andere Frage: Läuft dein Alltag so stabil, dass du Geld ein paar Jahre liegen lassen kannst, ohne es anzufassen?
Sophies Ausgangslage
Nimm Sophie. Sie hat 3.000 € auf dem Konto und will endlich mit einem ETF anfangen. Gleichzeitig steht ihr Dispo bei minus 1.200 €, und ihr Auto ist zwölf Jahre alt. Kauft sie jetzt Anteile und im Herbst fällt die Kupplung aus, muss sie verkaufen, vielleicht genau dann, wenn die Kurse gerade tief stehen.
Drei Fragen vor dem Start
Drei Fragen helfen dir, bevor du loslegst:
- Habe ich Schulden, die mehr als etwa fünf Prozent Zinsen im Jahr kosten?
- Habe ich einen Notgroschen für den Fall, dass die Waschmaschine und das Auto im selben Monat kaputtgehen?
- Weiß ich, wie viel am Monatsende wirklich übrig bleibt?
Kannst du alle drei ehrlich mit Ja beantworten, kannst du anfangen. Wenn nicht, verlierst du nichts. Du nutzt die Zeit, um die Grundlage zu legen. Die Börse gibt es seit über hundert Jahren, sie ist in zwei Jahren auch noch da.
Die Reihenfolge hat drei handfeste Gründe.
Feststehende Kreditzinsen
Der erste sind die Zinsen. Eine Anlage bringt eine Rendite, die niemand kennt. Ein Kredit kostet Zinsen, die feststehen. Wer einen Dispo zu 11 Prozent tilgt, spart sicher 11 Prozent, und darauf fallen keine Steuern an. Kein Aktiendepot verspricht dir das.
Der Faktor Zeit
Der zweite ist die Zeit. Aktien bringen langfristig vor allem deshalb etwas, weil man Rückgänge aussitzen kann. Wer mitten in einem Tief verkaufen muss, weil das Auto kaputt ist, macht aus einem Minus auf dem Papier einen echten Verlust. Der Notgroschen sorgt dafür, dass du einen langen Anlagehorizont auch wirklich durchhältst.
Die Sparrate
Der dritte ist die Sparrate. Über viele Jahre macht es meist mehr aus, wie viel du jeden Monat einzahlst, als was genau du kaufst. Wer 300 € statt 100 € im Monat anlegt, landet am Ende deutlich weiter vorn als jemand, der bei 100 € bleibt und zwei Prozentpunkte mehr Rendite herausholt. Dein eigenes Budget zu kennen ist deshalb der wirksamste Hebel, den du hast.
Daten als Text
Die Reihenfolge lautet: teure Schulden tilgen, Notgroschen aufbauen, Existenzielles versichern, anlegen.
Zusammenfassung
- Bei hohen Zinsen bringt Tilgen mehr als Anlegen.
- Ohne Notgroschen musst du womöglich im schlechtesten Moment verkaufen.
- Wie viel du sparst, zählt meist mehr als was du kaufst.
Hast du es verstanden?
Warum bringt das Tilgen eines Dispos oft mehr als eine Anlage?
Weil die gesparten Zinsen sicher und steuerfrei sind, während eine Anlage nur eine unsichere Rendite verspricht.
Wofür brauchst du den Notgroschen, bevor du anlegst?
Damit du bei einer unerwarteten Ausgabe nicht deine Anlagen zu einem schlechten Zeitpunkt verkaufen musst.
Was macht über viele Jahre meist mehr aus, die Sparrate oder die Auswahl der Wertpapiere?
In aller Regel die Sparrate.
Aufgabe für dich
Beantworte die drei Fragen mit eigenen Zahlen: dem Zinssatz deiner teuersten Schuld, der Höhe deines Polsters und dem Betrag, der am Monatsende wirklich übrig bleibt. Rechne dann im Notgroschenrechner mit deinen monatlichen Fixkosten aus, wie viele Monate dein Polster reicht. Schreibe hinter jede der drei Fragen ein Ja oder Nein.
Quellen und Weiterlesen
- Grundlagen der Haushaltsfinanzen, wie sie von unabhängigen Verbraucherzentralen und Finanzaufsichten empfohlen werden.