DeFi: Staking, Lending, Liquidity Pools
DeFi bietet Finanzdienste über Programme auf einer Blockchain an. Die beworbenen Renditen haben entweder eine Quelle, die man benennen kann, oder sie kommen vom Geld späterer Teilnehmer.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du bei einem DeFi Angebot einschätzen, woher die beworbene Rendite tatsächlich kommt.
DeFi steht für Finanzdienste ohne Bank: verleihen, tauschen, Sicherheiten hinterlegen, alles über Programme, die auf einer Blockchain laufen.
Staking und Verleihen
Beim Staking hinterlegst du Coins als Sicherheit dafür, dass das Netz ordentlich betrieben wird, und bekommst dafür einen Teil der neu geschaffenen Coins. Beim Verleihen bekommst du Zinsen von denen, die sich Coins leihen. In einem Liquidity Pool stellst du zwei Coins zum Tauschen bereit und bekommst einen Teil der Tauschgebühren.
Woher der Ertrag kommt
In allen drei Fällen gibt es eine Quelle, die man benennen kann. Genau danach musst du fragen. Kann niemand erklären, wer den Ertrag erwirtschaftet, kommt er vom Geld der nächsten Einzahler. 2022 brach das Projekt Terra zusammen, das rund 20 Prozent Zinsen auf eine Art Dollar versprach. Anleger verloren damals rund 40 Milliarden Dollar.
Eigene Risiken
Die Risiken sind eigene und werden oft unterschätzt: Fehler im Programmcode, der Verlust deiner Sicherheit, wenn das Netz dich wegen eines Fehlers bestraft, Sperrfristen beim Abheben und beim Liquidity Pool ein Verlust, den es sonst nirgends gibt. Um den geht es in der nächsten Lektion.
Die Quellen der Erträge musst du auseinanderhalten. Erträge aus Staking stammen vor allem daraus, dass neue Coins ausgegeben werden. Wirklich etwas wert sind sie nur insoweit, als sie die Verwässerung derer umverteilen, die nicht mitmachen. Wer mitmacht, verliert also weniger Anteil, als er ohne Staking verlieren würde. Erträge aus Krediten und Tauschgebühren kommen dagegen von Menschen, die tatsächlich bereit sind, dafür zu zahlen.
Risiken im Detail
Die Risiken reichen von Fehlern im Code über manipulierbare Preisquellen und Schlüssel, mit denen Einzelne die Verträge nachträglich ändern können, bis zu Kettenrisiken, wenn dieselben Sicherheiten mehrfach weiterverwendet werden. Prüfberichte decken nur den ersten Punkt ab, und auch den nur für einen bestimmten Stand des Codes.
Zinsen in Projekt-Token
Besonders vorsichtig solltest du bei Angeboten sein, die ihre Zinsen vor allem in einem eigenen Token des Projekts auszahlen. Die angezeigte Rendite hängt dann am Kurs dieses Tokens, und durch die Auszahlungen kommen ständig neue Token auf den Markt. So entstehen beeindruckende Zinszahlen, während der Kurs des Tokens fällt. Das ist der häufigste Grund, warum beworbene und tatsächliche Rendite so weit auseinanderliegen.
Zusammenfassung
- Frag immer, wer den Ertrag erwirtschaftet.
- Erträge aus Staking stammen meist aus neu ausgegebenen Coins, nicht aus echter Wertschöpfung.
- Zinsen im eigenen Token eines Projekts ergeben hohe Zahlen bei fallendem Kurs.
Hast du es verstanden?
Woher stammen Erträge aus Staking vor allem?
Aus neu ausgegebenen Coins, also aus einer Umverteilung zulasten derer, die nicht mitmachen.
Was decken Prüfberichte ab und was nicht?
Sie prüfen den Code zu einem bestimmten Stand, aber nicht Preisquellen, Schlüssel mit Sonderrechten oder Kettenrisiken.
Warum sind Zinsen im eigenen Token eines Projekts trügerisch?
Weil die Auszahlungen ständig neue Token auf den Markt bringen und die Zinszahl hoch bleibt, während der Kurs fällt.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Nimm ein beworbenes DeFi Angebot mit einer Renditeangabe, zum Beispiel 12 Prozent im Jahr. Schreibe in einem Satz auf, wer diesen Ertrag erwirtschaftet und woher das Geld kommt. Gelingt dir das nicht, markiere das Angebot als nicht erklärbar und notiere, welche Frage du dem Anbieter dazu stellen würdest.
Quellen und Weiterlesen
- Der Finanzstabilitätsrat (FSB) benennt in seinem DeFi-Bericht genau diese Risiken: Programmierfehler in Smart Contracts, die Abhängigkeit von Oracles für externe Preisdaten und Kettenrisiken durch mehrfach weiterverwendete Sicherheiten. Quelle ansehen ↗