DeFi: Staking, Lending, Liquidity Pools
DeFi bildet Finanzdienstleistungen über Programme auf einer Blockchain ab. Die beworbenen Renditen stammen aus benennbaren Quellen, und wo sie es nicht tun, stammen sie von späteren Teilnehmern.
DeFi steht für Finanzdienste ohne Bank: verleihen, tauschen, Sicherheiten hinterlegen, alles über Programme, die auf einer Blockchain laufen.
Beim Staking hinterlegst du Coins als Sicherheit für den Betrieb des Netzwerks und bekommst dafür einen Anteil an neu erzeugten Coins. Beim Lending verleihst du und bekommst Zinsen von den Kreditnehmern. Bei Liquidity Pools stellst du zwei Werte für den Tausch bereit und bekommst einen Anteil der Handelsgebühren.
In allen drei Fällen gibt es eine benennbare Quelle. Genau danach musst du fragen. Wenn niemand erklären kann, wer den Ertrag erwirtschaftet, kommt er von den nächsten Einzahlern.
Die Risiken sind eigenständig und werden oft unterschätzt: Fehler im Programmcode, Ausfall der hinterlegten Sicherheit bei Fehlverhalten, Sperrfristen für das Abheben, und beim Liquidity Pool ein Verlust, den es woanders gar nicht gibt. Der ist Thema der nächsten Lektion.
Die Ertragsquellen sind zu trennen. Staking-Erträge stammen überwiegend aus der Neuausgabe von Einheiten und sind damit real nur insoweit werthaltig, wie sie die Verwässerung der Nichtteilnehmer umverteilen. Erträge aus Kreditvergabe und Handelsgebühren stammen dagegen aus tatsächlicher Zahlungsbereitschaft Dritter.
Die Risiken umfassen Programmierfehler in den Verträgen, Fehler in den verwendeten Preisquellen, Abhängigkeit von Verwaltungsschlüsseln mit weitreichenden Befugnissen sowie Kettenrisiken, wenn Sicherheiten mehrfach weiterverwendet werden. Prüfberichte adressieren nur den ersten Punkt und nur für einen bestimmten Codestand.
Besonders zu beachten sind Angebote, deren Verzinsung überwiegend in einem projekteigenen Token ausgezahlt wird. Die ausgewiesene Rendite hängt dann am Kurs dieses Tokens, dessen Angebot durch die Ausschüttung selbst laufend erhöht wird. Solche Konstruktionen erzeugen hohe nominale Renditeangaben bei gleichzeitig sinkendem Tokenpreis und sind der häufigste Grund für die Diskrepanz zwischen beworbener und tatsächlicher Rendite.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Frag immer, wer den Ertrag erwirtschaftet.
- Staking-Erträge stammen meist aus Neuausgabe, nicht aus Wertschöpfung.
- Verzinsung im projekteigenen Token erzeugt hohe Zahlen bei fallendem Kurs.
Hast du es verstanden?
Woher stammen Staking-Erträge überwiegend?
Aus der Neuausgabe von Einheiten, also aus Umverteilung gegenüber Nichtteilnehmern.
Was decken Prüfberichte ab und was nicht?
Sie prüfen Code zu einem bestimmten Stand, nicht Preisquellen, Verwaltungsschlüssel oder Kettenrisiken.
Warum sind Renditen in projekteigenen Token trügerisch?
Weil die Ausschüttung das Tokenangebot erhöht und die nominale Rendite bei fallendem Kurs bestehen bleibt.