Die Ein-Prozent-Regel
Eine verbreitete Obergrenze lautet: pro Position höchstens ein Prozent des Kontos riskieren. So überstehst du auch eine lange Serie von Fehlschlägen und bleibst handlungsfähig.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du die Ein Prozent Regel auf eine eigene Position anwenden.
Hat Mia 5.000 € auf dem Konto, heißt ein Prozent: Ein einzelner Fehlschlag darf sie höchstens 50 € kosten. Begrenzt wird der Verlust, nicht die Position. Sie darf also durchaus für 1.000 € Aktien kaufen, wenn ihr Stop so liegt, dass sie im schlimmsten Fall 50 € verliert.
Warum so wenig
Das klingt nach wenig, und genau darum geht es. Zehn Fehlschläge hintereinander kosten sie dann knapp zehn Prozent. Das tut weh, aber sie kann weitermachen. Mit zehn Prozent Risiko pro Trade wären nach denselben zehn Fehlschlägen rund zwei Drittel des Kontos weg.
Verlustserien sind normal
Solche Serien sind normal. Wer in sechs von zehn Fällen richtig liegt, erlebt trotzdem regelmäßig fünf oder sechs Fehlschläge am Stück. Das ist keine Pechsträhne, das ist Statistik.
Wann die Regel gilt
Die Regel gilt fürs aktive Handeln mit einzelnen Positionen. Für einen breit gestreuten Sparplan brauchst du sie nicht, weil dort kein einzelnes Wertpapier dich ernsthaft treffen kann.
Verlustserien sind wahrscheinlicher, als es sich anfühlt. Bei einer Trefferquote von 55 Prozent liegt die Chance, dass genau die nächsten sechs Trades alle verlieren, bei 0,45 hoch 6, also unter einem Prozent. Über hundert Trades hinweg ist es trotzdem wahrscheinlich, dass irgendwo eine solche Serie auftaucht, weil es so viele Stellen gibt, an denen sie beginnen kann.
Das Kelly-Kriterium
Man kann die Regel als vereinfachte Form einer Rechnung verstehen, die bestimmt, bei welchem Einsatz ein Konto am schnellsten wächst. Diese Rechnung heißt Kelly Kriterium. Sie braucht Trefferquote und Gewinnverhältnis als Eingaben. Weil beides in der Praxis nur geschätzt und meistens überschätzt wird, nehmen vorsichtige Trader nur einen Bruchteil des Kelly Werts. Damit landet man ungefähr bei der Ein Prozent Regel.
Korrelierte Positionen
Wichtig ist die Korrelation. Fünf offene Positionen mit je einem Prozent Risiko sind nur dann fünf getrennte Risiken, wenn sie sich unabhängig voneinander bewegen. Kaufst du fünf Chipaktien, fallen sie bei schlechten Nachrichten für die Branche oft alle zusammen. Dann riskierst du in Wirklichkeit fast fünf Prozent auf einmal. Die Regel gehört deshalb aufs ganze Depot angewendet und nicht nur auf jede Position einzeln.
Zusammenfassung
- Ein Prozent begrenzt den Verlust, nicht die Größe der Position.
- Sechs Fehlschläge am Stück sind normal.
- Positionen, die sich gemeinsam bewegen, addieren ihr Risiko fast vollständig.
Hast du es verstanden?
Was genau begrenzt die Ein Prozent Regel?
Den höchsten Verlust einer Position, nicht das eingesetzte Geld.
Warum nimmt man nur einen Bruchteil des Kelly Einsatzes?
Weil Trefferquote und Gewinnverhältnis nur geschätzt und meistens überschätzt werden.
Warum reicht die Regel pro Position nicht aus?
Weil Positionen, die zusammenhängen, sich gleichzeitig bewegen und ihr Risiko sich fast addiert.
Was andere dazu oft fragen
Wie viel Prozent pro Trade sollte ich riskieren?
Viele erfahrene Trader bleiben zwischen 0,5 und 2 Prozent. Für Einsteiger ist das untere Ende sinnvoll, weil die Trefferquote am Anfang meist niedriger ist als gedacht.
Gilt das auch bei einem kleinen Konto?
Ja. Bei 1.000 € sind 1 Prozent zwar nur 10 €, aber genau so lernst du, ohne das Konto zu riskieren.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Du hast ein Konto mit 8.000 €, willst eine Aktie bei 40 € kaufen und setzt den Stop bei 38 €. Rechne mit der Ein Prozent Regel aus, wie viele Stück du höchstens kaufen darfst und wie groß die Position dann in Euro ist. Prüfe dein Ergebnis im Positionsgrößenrechner.
Quellen und Weiterlesen
- Das Kelly-Kriterium geht auf die Originalarbeit von John L. Kelly (1956) im Bell System Technical Journal zurück, die den wachstumsoptimalen Einsatzanteil bei wiederholten Wetten mit bekannter Gewinnwahrscheinlichkeit herleitet. Quelle ansehen ↗