Trefferquote und Erwartungswert
Der Erwartungswert fasst Trefferquote, durchschnittlichen Gewinn und durchschnittlichen Verlust in einer Zahl zusammen. Nur diese Zahl sagt dir, ob eine Strategie auf Dauer trägt.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du den Erwartungswert einer Strategie aus Trefferquote, Durchschnittsgewinn und Durchschnittsverlust berechnen.
Der Erwartungswert beantwortet eine einfache Frage: Was bringt mir ein Trade im Schnitt, wenn ich ihn tausendmal mache?
Die Rechnung
Die Rechnung: Trefferquote mal durchschnittlicher Gewinn, minus Fehlerquote mal durchschnittlicher Verlust. Trifft Lara in 40 Prozent der Fälle, gewinnt dann im Schnitt 300 € und verliert sonst im Schnitt 100 €, ergibt das 120 minus 60, also plus 60 € pro Trade.
Recht haben und verdienen
Vierzig Prozent Treffer klingen schlecht, und trotzdem verdient Lara Geld. Das ist der wichtigste Gedanke dieser Lektion: Recht haben und Geld verdienen sind zwei verschiedene Dinge.
Negativer Erwartungswert
Ist der Erwartungswert negativ, hilft kein Durchhalten. Häufiger zu handeln beschleunigt dann nur den Verlust. Deshalb gehört diese Rechnung an den Anfang jeder Strategie und nicht ans Ende.
Als Formel: Erwartungswert gleich Trefferquote mal Durchschnittsgewinn minus (eins minus Trefferquote) mal Durchschnittsverlust, jeweils nach Kosten. Diese eine Zahl entscheidet, ob eine Strategie auf Dauer trägt. Trefferquote und Chance Risiko Verhältnis sind nur ihre Bausteine.
Fehler bei der Schätzung
Wenn du den Erwartungswert aus vergangenen Trades schätzt, lauern zwei Fehler. Der erste sind die Kosten. Spread, Gebühren und Steuern machen Gewinne kleiner und Verluste größer und werden in Rückrechnungen oft unterschätzt. Der zweite ist die Zahl der Trades. Wie genau du deine Trefferquote kennst, wird nur langsam besser, grob mit der Wurzel aus der Zahl der Trades. Bei 30 Trades mit 50 Prozent Treffern kann die wahre Quote noch irgendwo zwischen etwa 32 und 68 Prozent liegen. Das reicht für keine belastbare Aussage.
Schwankungen um den Durchschnitt
Auch ein positiver Erwartungswert garantiert dir für einen bestimmten Zeitraum kein positives Ergebnis. Wie lange Abweichungen dauern können, hängt davon ab, wie stark die Ergebnisse schwanken. Deshalb brauchst du beides: einen positiven Erwartungswert und eine begrenzte Positionsgröße. Der Erwartungswert gibt die Richtung vor, die Positionsgröße sorgt dafür, dass du lange genug dabei bleibst, bis sich die Richtung durchsetzt.
Zusammenfassung
- Erwartungswert gleich Trefferquote mal Gewinn minus Fehlerquote mal Verlust.
- Recht haben und Geld verdienen sind zwei verschiedene Dinge.
- Dreißig Trades sagen statistisch fast nichts über deine Trefferquote.
Hast du es verstanden?
Wie berechnest du den Erwartungswert eines Trades?
Trefferquote mal durchschnittlicher Gewinn minus Fehlerquote mal durchschnittlicher Verlust, jeweils nach Kosten.
Was passiert bei negativem Erwartungswert, wenn du häufiger handelst?
Der Verlust kommt schneller. Wer öfter handelt, verstärkt nur, was ohnehin passiert.
Warum reichen dreißig Trades nicht als Grundlage?
Weil die Schätzung nur langsam genauer wird, grob mit der Wurzel aus der Zahl der Trades. Die wahre Trefferquote kann noch weit daneben liegen.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Eine Strategie trifft in 35 Prozent der Fälle, gewinnt dann im Schnitt 250 € und verliert sonst im Schnitt 100 €. Berechne den Erwartungswert pro Trade. Finde danach die Trefferquote, bei der er genau null ist.
Passt dazu
- Chancen-Risiko-VerhältnisStufe 3
- Kapitalerhalt vor GewinnStufe 3
- Die Ein-Prozent-RegelStufe 3
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