Drawdown
Verluste und Gewinne sind nicht symmetrisch. Je tiefer ein Rückgang, desto größer der Gewinn, den du danach brauchst, um wieder bei null zu sein. Das ist der stärkste rechnerische Grund, Risiken zu begrenzen.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du berechnen, wie viel Gewinn einen bestimmten Verlust wieder ausgleicht, und warum das für Risikobegrenzung spricht.
Aus 100 € werden nach minus 50 Prozent genau 50 €. Um wieder auf 100 € zu kommen, brauchst du aus diesen 50 € einen Gewinn von 100 Prozent. 50 Prozent reichen nicht.
Je tiefer, desto schwerer
Je tiefer der Verlust, desto schlimmer wird es. Minus 20 Prozent brauchen plus 25. Minus 50 brauchen plus 100. Minus 80 brauchen plus 400. Minus 90 brauchen plus 900.
Warum Hebel hier scheitert
Genau hier scheitern Strategien mit Hebel. Ein Konto, das um neunzig Prozent eingebrochen ist, ist praktisch nicht mehr zu retten, selbst wenn danach alles richtig läuft.
Große Verluste vermeiden
Die Folgerung ist unbequem, aber eindeutig: Große Verluste zu vermeiden bringt mehr, als große Gewinne zu jagen. Der maximale Drawdown, also der tiefste Rückgang vom Höchststand, ist deshalb eine besonders aussagekräftige Kennzahl für das Risiko einer Strategie.
Den nötigen Ausgleichsgewinn berechnest du mit eins geteilt durch (eins minus Verlust), minus eins. Nähert sich der Verlust hundert Prozent, wächst das Ergebnis ins Unendliche. Die Ursache ist wieder, dass Renditen sich multiplizieren. Der Erholungsgewinn wird auf die geschrumpfte Summe angewendet.
Dauer der Erholung
Wie lange die Erholung dauert, hängt von der Rendite danach ab. Nach einem Rückgang um 50 Prozent brauchst du bei sieben Prozent im Jahr rund zehn Jahre, bis du wieder beim alten Stand bist. So lange haben breite Aktienmärkte nach schweren Einbrüchen tatsächlich gebraucht, teils deutlich länger. Der amerikanische Aktienmarkt brauchte nach dem Einbruch von 2000 bis 2002 inklusive Dividenden etwa bis 2007, nach dem Absturz von 1929 real sogar Jahrzehnte.
Drawdown als Risikomaß
Als Maß für Risiko hat der maximale Drawdown für Privatanleger einen Vorteil gegenüber der Standardabweichung. Er beschreibt einen Weg, den jemand wirklich erlebt hat, und keine abstrakte Streuung. Seine Schwäche: Er hängt vom Zufall der Vergangenheit ab. Der schlimmste bisherige Rückgang ist keine Obergrenze für die Zukunft. Lies ihn deshalb als das Mindeste, mit dem du rechnen musst, und nicht als das Höchste.
Daten als Text
Bei einem Verlust von 10 Prozent sind 11,1 Prozent Gewinn zum Ausgleich nötig, bei 20 Prozent 25 Prozent, bei 30 Prozent 42,9 Prozent, bei 50 Prozent 100 Prozent, bei 70 Prozent 233 Prozent und bei 90 Prozent 900 Prozent.
Probier es selbst
Zieh den Regler und sieh, was zum Ausgleich nötig wäre.
Zusammenfassung
- Der nötige Ausgleich wächst immer schneller, je tiefer der Verlust ist.
- Ein Rückgang um 90 Prozent ist praktisch nicht mehr aufzuholen.
- Der bisher schlimmste Drawdown ist das Mindeste, mit dem du rechnen musst.
Hast du es verstanden?
Welcher Gewinn gleicht einen Verlust von 80 Prozent aus?
400 Prozent, denn aus 20 müssen wieder 100 werden.
Warum wächst der nötige Ausgleich so stark?
Weil der Gewinn auf die geschrumpfte Summe angewendet wird. Nähert sich der Verlust hundert Prozent, geht der nötige Gewinn gegen unendlich.
Wie solltest du den bisher größten Drawdown lesen?
Als das Mindeste, was künftig passieren kann, und nicht als Obergrenze.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Dein Depot fällt von 25.000 € auf 17.500 €. Berechne den Verlust in Prozent und den Gewinn in Prozent, den du danach brauchst, um wieder bei 25.000 € zu stehen. Prüfe dein Ergebnis im Drawdownrechner.
Quellen und Weiterlesen
- Die frei zugänglichen historischen Marktdaten des Yale-Ökonomen Robert Shiller, die bis 1871 zurückreichen, zeigen, dass sich Erholungsphasen des US-Aktienmarkts nach schweren Einbrüchen über viele Jahre bis Jahrzehnte hinziehen können. Quelle ansehen ↗
Passt dazu
- Chancen-Risiko-VerhältnisStufe 3
- Der HebelStufe 3
- VerlustaversionStufe 3
- Passende Fragen zu dieser StufeFragen