Mark-Preis und Margin-Modi
Liquidationen wirken oft willkürlich, sind es aber nicht. Mark-Preis, Wartungsmarge und der gewählte Margin-Modus bestimmen den tatsächlichen Zeitpunkt — nicht der zuletzt gehandelte Kurs.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du erklären, warum der Mark-Preis über die Liquidation entscheidet und was Isolated und Cross Margin für dein Risiko bedeuten.
Die Liquidation richtet sich nicht nach dem Kurs, den du zuletzt auf deiner Plattform gesehen hast. Börsen berechnen sie anhand eines geglätteten Mark-Preises, der sich am breiteren Markt orientiert, nicht am einzelnen zuletzt gehandelten Preis auf genau dieser Plattform. Das soll verhindern, dass ein einzelner Ausreißer auf einer Börse tausende Positionen unnötig zerstört.
Für dich bedeutet das: Deine Position kann liquidiert werden, obwohl der Chart deiner Plattform den erwarteten Liquidationspreis scheinbar nie berührt hat — und umgekehrt kann sie manchmal auch knapp verschont bleiben, wo der lokale Chart schon Alarm schlägt.
Dazu kommt die Wartungsmarge: das Minimum an Sicherheit, das eine Position ständig braucht. Fällt das Eigenkapital der Position darunter, wird geschlossen — schon bevor die Sicherheit vollständig aufgebraucht ist. Deshalb liegt die tatsächliche Liquidation etwas früher, als die einfache Rechnung „100 geteilt durch Hebel" vermuten lässt.
Auch der Modus spielt eine Rolle. Bei Isolated Margin haftet nur die dieser einen Position zugewiesene Marge — der Verlust ist begrenzt, die Liquidation kommt dafür früher. Bei Cross Margin haftet das gesamte Kontoguthaben — die Position hält länger durch, reißt im schlechten Fall aber das ganze Konto mit.
Wer die beiden Margin-Modi verwechselt, wundert sich anschließend häufig, warum ein einzelner Trade das gesamte Kontoguthaben getroffen hat, obwohl nur ein kleiner Teil davon bewusst als Einsatz gedacht war. Das ist der typische Fall: Eine Position lief versehentlich im Cross-Modus, weil das die Voreinstellung der Plattform war, nicht weil es eine bewusste Entscheidung war.
Funding-Zahlungen werden bei vielen Plattformen direkt von der Positionsmarge abgezogen, nicht vom sonstigen Kontoguthaben. Wer eine Position tagelang hält, sieht seinen Liquidationspreis dadurch langsam näher rücken, ohne dass sich der zugrunde liegende Kurs überhaupt bewegt hat. Das ist ein stiller Effekt, der in keiner Chartansicht sichtbar wird.
Auf den Ausführungspreis selbst gibt es ebenfalls keine Garantie. Bei einer schnellen Kurslücke kann die tatsächliche Schließung unterhalb der berechneten Schwelle erfolgen. Zusammen mit Wartungsmarge, Funding und den anfallenden Schließungsgebühren erklärt das, warum reale Liquidationen fast immer etwas früher und oft auch schlechter ausfallen als die naive Überschlagsrechnung.
Zusammenfassung
- Die Liquidation richtet sich nach dem geglätteten Mark-Preis, nicht nach dem zuletzt gehandelten Kurs.
- Die Wartungsmarge lässt die Liquidation etwas früher greifen, als die einfache Rechnung vermuten lässt.
- Isolated Margin begrenzt den Verlust auf die zugewiesene Marge, Cross Margin lässt das gesamte Guthaben haften.
- Funding wird oft direkt von der Positionsmarge abgezogen und rückt den Liquidationspreis näher, auch ohne Kursbewegung.
Hast du es verstanden?
Warum wurde ich liquidiert, obwohl der Kurs meinen Liquidationspreis nie erreicht hat?
Weil die Börse den Mark-Preis verwendet, nicht den zuletzt gehandelten Preis.
Warum wurde ich schon vor der rechnerischen Marke liquidiert?
Weil die Wartungsmarge und die anfallenden Gebühren vorher greifen.
Was ist der Unterschied zwischen Isolated und Cross Margin?
Bei Isolated haftet nur die zugewiesene Marge, bei Cross das gesamte Guthaben.
Verstehens-Check
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