Warum Nachrichten schon im Preis stecken
Bis eine Meldung bei dir ankommt, haben Profis sie längst verarbeitet. Handeln lässt sich nur mit dem Teil, der überrascht, und den siehst du nicht rechtzeitig.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du begründen, warum bekannte Nachrichten meistens schon im Kurs stecken.
Wichtige Meldungen werden in Sekunden verarbeitet, oft von Programmen, die den Text automatisch auswerten und sofort handeln. Bis du davon liest, ist die Bewegung gelaufen.
Warum Nachrichten zu spät kommen
Wer nach einer guten Nachricht sofort kauft, kauft deshalb meistens zu einem Preis, der die Nachricht schon enthält. Du zahlst für eine Information, die keine mehr ist.
An der Börse sagt man: Gerüchte kaufen, Tatsachen verkaufen. Dahinter steckt genau dieser Vorgang. Die Erwartung treibt den Kurs, und wenn das Ereignis dann eintritt, ist nichts mehr übrig, was den Kurs weiter treiben könnte.
Was daraus für dich folgt
Die Folgerung ist entlastend. Um erfolgreich anzulegen, musst du keine Nachrichten verfolgen. Das Gefühl, immer gut informiert sein zu müssen, kostet viele Menschen Zeit und Nerven und verbessert ihr Ergebnis nicht.
Untersuchungen zu geplanten Meldungen wie Quartalszahlen zeigen, dass der größte Teil der Kursreaktion innerhalb von Sekunden bis Minuten passiert. Wie stark der Kurs reagiert, hängt davon ab, wie weit die Zahlen von den Schätzungen der Analysten abweichen. Wie gut die Zahlen für sich genommen sind, spielt dabei eine kleinere Rolle.
Belege bei Quartalszahlen
Belegt ist allerdings auch ein Nachlaufen nach überraschenden Gewinnzahlen. Die Anpassung setzt sich dann noch über einige Wochen fort. Das passt nicht ganz zur Theorie völlig effizienter Märkte. Der Effekt ist aber klein im Vergleich zu den Handelskosten und lässt sich nur mit einem großen, breit gestreuten System nach festen Regeln überhaupt nutzen.
Nachlaufen nach Überraschungen
Für dich ist das keine Gelegenheit zum Handeln. Es sagt aber etwas über deine Lage. Schneller an Nachrichten zu kommen ist kein Vorteil, den du haben kannst. Dein möglicher Vorteil ist ein längerer Anlagehorizont als der von vielen anderen am Markt. Viele Profis werden jedes Quartal gemessen und müssen kurzfristig gut aussehen. Du kannst Schwankungen über Jahre aussitzen, und das ist ein echter Vorteil, den du als Privatanleger hast.
Zusammenfassung
- Der Kurs passt sich in Sekunden an eine Meldung an.
- Nachrichten zu verfolgen verbessert dein Ergebnis nicht.
- Ein echter Vorteil von dir ist, dass du länger warten kannst.
Hast du es verstanden?
Wie schnell verarbeiten Märkte geplante Meldungen?
Der größte Teil der Anpassung passiert innerhalb von Sekunden bis Minuten.
Was bedeutet Gerüchte kaufen, Tatsachen verkaufen?
Die Erwartung treibt den Kurs. Tritt das Ereignis ein, ist nichts mehr übrig, was ihn weiter treiben könnte.
Worin liegt ein echter Vorteil eines Privatanlegers?
Darin, dass er länger warten und Schwankungen über Jahre aussitzen kann.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Denke an eine Nachricht der letzten zwölf Monate, bei der du handeln wolltest. Schreibe in zwei Sätzen auf, wie lange die Meldung schon bekannt war, als du sie gesehen hast, und was du konkret tun wolltest. Notiere dann, was sich an deinem langfristigen Ergebnis geändert hätte, wenn du nichts getan hättest.
Quellen und Weiterlesen
- Ball und Brown zeigten 1968 in ihrer grundlegenden Studie im Journal of Accounting Research erstmals, dass sich Aktienkurse nach Gewinnmeldungen noch über Wochen in Richtung der Überraschung weiterbewegen, ein Effekt, der seither als Post-Earnings-Announcement-Drift bekannt ist. Quelle ansehen ↗
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