Optionen: Call und Put
Eine Option ist das Recht, etwas zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Wer sie kauft, zahlt dafür eine Prämie. Wer sie verkauft, geht eine Verpflichtung ein.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du Kauf und Verkauf einer Option und die Rechte und Pflichten dabei unterscheiden.
Ein Call gibt dir das Recht, etwas zu einem festen Preis zu kaufen. Steigt der Kurs darüber, ist dieses Recht etwas wert. Ein Put gibt dir das Recht, zu einem festen Preis zu verkaufen, und wird wertvoll, wenn der Kurs fällt.
Die Prämie
Für dieses Recht zahlst du eine Prämie. Ein Beispiel: Eine Aktie steht bei 100 €. Julia kauft einen Call mit einem Basispreis von 100 € und drei Monaten Laufzeit für 5 €. Steht die Aktie am Ende bei 120 €, ist der Call 20 € wert, und Julia hat 15 € verdient. Steht sie bei 100 € oder darunter, verfällt die Option, und die 5 € sind weg. Mehr als die Prämie kann sie nicht verlieren.
Die Gegenseite
Auf der anderen Seite steht jemand, der die Option verkauft hat. Er bekommt die Prämie und trägt dafür die Verpflichtung. Sein Gewinn ist auf die Prämie begrenzt, sein Verlust kann sehr groß werden. Wäre die Aktie auf 200 € gestiegen, hätte er 95 € verloren.
Was den Preis bestimmt
Wichtig für den Anfang: Was eine Option wert ist, hängt nicht nur vom Kurs ab. Es hängt auch davon ab, wie lange sie noch läuft und wie stark der Markt schwanken wird. Du kannst mit der Richtung recht haben und trotzdem verlieren, weil die Zeit gegen dich arbeitet.
Der Preis einer Option besteht aus zwei Teilen: dem inneren Wert und dem Zeitwert. Der innere Wert ist das, was du beim sofortigen Ausüben bekämst. Steht die Aktie bei 110 € und hast du einen Call mit Basispreis 100 €, sind das 10 €. Der Zeitwert ist der Aufpreis dafür, dass bis zum Ende noch etwas Günstiges passieren kann. Er schrumpft bis zum Verfall auf null, und zwar gegen Ende immer schneller.
Die Griechen
Wie der Preis auf Veränderungen reagiert, beschreiben die sogenannten Griechen. Das Delta zeigt, wie stark die Option auf den Kurs reagiert. Gamma zeigt, wie schnell sich das Delta ändert. Theta ist der Wertverlust pro Tag durch die ablaufende Zeit. Vega zeigt, wie stark die Option auf die erwartete Schwankung reagiert, Rho, wie stark auf die Zinsen. Liegt man mit der Richtung richtig, kann man trotzdem verlieren, wenn Theta und Vega stärker gegen einen arbeiten.
Implizite Volatilität
Eine der wichtigsten Zahlen am Optionsmarkt ist die implizite Volatilität. Das ist die Schwankung, die der Markt erwartet und die im Preis der Option steckt. Vor wichtigen Ereignissen wie Quartalszahlen ist sie oft hoch. Kaufst du dann eine Option und die Zahlen fallen wie erhofft aus, kann die Option trotzdem an Wert verlieren, weil die erwartete Schwankung nach der Meldung sofort zurückgeht.
Zusammenfassung
- Käufer können höchstens die Prämie verlieren, Verkäufer höchstens die Prämie gewinnen.
- Der Zeitwert schrumpft, gegen Ende immer schneller.
- Du kannst mit der Richtung recht haben und verlieren, wenn die erwartete Schwankung sinkt.
Hast du es verstanden?
Woraus besteht der Preis einer Option?
Aus dem inneren Wert und dem Zeitwert. Der Zeitwert schrumpft bis zum Verfall auf null.
Was misst Theta?
Wie viel Wert die Option pro Tag durch die ablaufende Zeit verliert.
Was ist die implizite Volatilität?
Die Schwankung, die der Markt erwartet und die im Preis der Option steckt. Sie ist eine der wichtigsten Zahlen am Optionsmarkt.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Eine Aktie steht bei 50 €. Du kaufst einen Call mit Basispreis 50 € und drei Monaten Laufzeit für 2 €. Berechne deinen Gewinn oder Verlust, wenn die Aktie am Ende bei 45 €, 50 €, 58 € und 70 € steht. Rechne dieselben vier Fälle auch für den Verkäufer des Calls durch.
Quellen und Weiterlesen
- Black und Scholes (1973) leiten im Journal of Political Economy her, dass der Optionswert grundlegend von der erwarteten Schwankung des Basiswerts und der Restlaufzeit abhängt. Quelle ansehen ↗