Was Rendite wirklich bedeutet
Rendite ist, was du im Verhältnis zu deinem Einsatz verdienst, und zwar in einer bestimmten Zeit. Bei jeder Renditezahl lohnen drei Nachfragen: pro Jahr oder insgesamt, vor oder nach Kosten, vor oder nach Inflation.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du eine Renditeangabe anhand von Zeitraum, Kosten und Inflation richtig einordnen.
Wenn dir jemand erzählt, er habe fünfzig Prozent gemacht, fehlen drei Angaben. In welcher Zeit? Nach welchen Kosten? Und ist die Inflation schon abgezogen?
Der Zeitraum zählt
Fünfzig Prozent in einem Jahr sind außergewöhnlich. Fünfzig Prozent in zehn Jahren sind gut vier Prozent im Jahr, also ziemlich normal. Ohne Zeitangabe sagt dir die Zahl nichts.
Pro Jahr rechnen
Rechne deshalb immer pro Jahr, nur so kannst du zwei Anlagen vergleichen. Und zieh ab, was wirklich weggeht: Gebühren, Steuern und Inflation. Was danach übrig ist, hast du tatsächlich verdient.
Vorsicht bei Durchschnitten
Vorsicht bei Durchschnitten. Verliert Nina im ersten Jahr 50 Prozent und gewinnt im zweiten 50 Prozent, ist der Durchschnitt null. Von ihren 1.000 € sind aber nur 750 € übrig. Bei Anlagen, die stark schwanken, sieht der einfache Durchschnitt immer besser aus als das, was wirklich auf dem Konto landet.
Der Unterschied aus Ninas Beispiel hat einen Namen. Der einfache Durchschnitt der Jahresrenditen heißt arithmetisches Mittel. Die Rate, mit der dein Geld über die ganze Zeit tatsächlich gewachsen ist, heißt geometrisches Mittel oder annualisierte Rendite. Du bekommst sie, wenn du Endwert durch Anfangswert teilst, daraus die n-te Wurzel ziehst (n ist die Zahl der Jahre) und 1 abziehst. Sobald eine Anlage schwankt, liegt sie unter dem einfachen Durchschnitt.
Die Lücke zwischen den Durchschnitten
Wie groß die Lücke ist, hängt von der Schwankung ab. Als Faustregel ziehst du die quadrierte Standardabweichung geteilt durch zwei ab. Eine Anlage, die im Schnitt 8 Prozent im Jahr erwarten lässt und um 20 Prozent schwankt, wächst über die Jahre eher mit rund 6 Prozent. Schwankung ist also nicht nur unangenehm. Sie kostet dich echtes Geld.
Zeitgewichtete Rendite
Zahlst du regelmäßig ein oder hebst ab, gibt es noch eine Unterscheidung. Die zeitgewichtete Rendite zeigt, wie gut die Anlage selbst gelaufen ist, egal wann du ein oder ausgezahlt hast. Mit ihr werden Fonds verglichen. Die geldgewichtete Rendite zeigt, was du persönlich verdient hast. Hat jemand nach einem starken Anstieg viel nachgekauft und danach fiel der Kurs, kann seine eigene Rendite deutlich schlechter sein als die des Fonds.
Zusammenfassung
- Eine Renditezahl ohne Zeitraum sagt nichts.
- Was zählt, ist das geometrische Mittel, nicht der einfache Durchschnitt.
- Schwankung drückt das, was am Ende tatsächlich übrig bleibt.
Hast du es verstanden?
Minus 50 Prozent, dann plus 50 Prozent. Wo stehst du?
Bei 75 Prozent des Anfangsbetrags. Der einfache Durchschnitt von null trifft nicht zu.
Welche Rechnung beschreibt dein tatsächliches Ergebnis über mehrere Jahre?
Das geometrische Mittel, also die annualisierte Rendite.
Warum kostet Schwankung Geld?
Weil die tatsächlich erreichte Wachstumsrate umso stärker unter der erwarteten liegt, je mehr eine Anlage schwankt.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Aus 5.000 € werden in drei Jahren 6.655 €. Berechne die Rendite pro Jahr, indem du Endwert durch Anfangswert teilst, die dritte Wurzel ziehst und 1 abziehst. Ziehe danach 0,5 Prozentpunkte Gebühren und 2 Prozent Inflation ab und schreibe auf, was du real pro Jahr verdient hast.