Risiko und Rendite hängen zusammen
Höhere erwartete Rendite gibt es nur als Ausgleich für getragenes Risiko. Wer dir hohe Rendite ohne Risiko verspricht, hat entweder etwas übersehen oder täuscht dich.
Warum sollte dir jemand acht Prozent zahlen, wenn er das Geld auch für drei bekommt? Weil bei den acht Prozent etwas schiefgehen kann. Die Differenz ist der Preis für die Unsicherheit.
Das ist keine Meinung, sondern folgt aus dem Wettbewerb. Gäbe es irgendwo hohe Rendite ohne Risiko, würden alle dort hineingehen, bis die Rendite wieder normal ist. Genau das passiert ständig.
Wichtig ist das Wort erwartet. Höheres Risiko bedeutet nicht, dass du mehr bekommst. Es bedeutet, dass du im Schnitt mehr bekommen könntest und im Einzelfall auch alles verlieren kannst.
Praktisch ist das dein bester Betrugsschutz. Sobald dir jemand hohe und gleichzeitig sichere Renditen anbietet, hast du keine Chance entdeckt, sondern einen Betrug. Diese Regel hat schon mehr Geld gerettet als jede Analysemethode.
Formal wird die erwartete Rendite als risikofreier Zins zuzüglich einer Risikoprämie modelliert. Im Kapitalgutpreismodell gilt E(R) = R_f + β · (E(R_m) − R_f). Entscheidend ist die Aussage, dass nur nicht wegdiversifizierbares Risiko vergütet wird. Wer ein einzelnes Unternehmen hält, trägt zusätzlich unternehmensspezifisches Risiko, für das der Markt keine Prämie zahlt, weil es durch Streuung vermeidbar wäre.
Daraus folgt eine praktische Konsequenz, die häufig übersehen wird: Konzentration erhöht das Risiko, ohne die erwartete Rendite entsprechend zu erhöhen. Zehn Einzelaktien statt eines breiten Index bedeuten deutlich mehr Schwankung bei im Wesentlichen unveränderter Renditeerwartung. Das ist unbezahltes Risiko.
Der Zusammenhang gilt für Erwartungswerte über hinreichend lange Zeiträume, nicht für einzelne Perioden. Über Jahre und mitunter Jahrzehnte können risikoreichere Anlagen schlechter abschneiden als risikoarme. Wäre es anders, wäre das Risiko keines. Diese Möglichkeit des dauerhaft schlechteren Ergebnisses ist genau der Grund für die Prämie.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Die Risikoprämie ist der Preis für getragene Unsicherheit.
- Nur breit gestreutes Risiko wird vergütet, Einzelwertrisiko nicht.
- Hohe Rendite ohne Risiko gibt es nicht. Diese Regel schützt vor fast jedem Betrug.
Hast du es verstanden?
Warum wird Einzelwertrisiko nicht vergütet?
Weil es sich durch Streuung vermeiden lässt. Der Markt zahlt keine Prämie für vermeidbares Risiko.
Bedeutet höheres Risiko automatisch mehr Ertrag?
Nein. Es bedeutet eine höhere Erwartung bei größerer Streuung der möglichen Ergebnisse, einschließlich sehr schlechter.
Was folgt daraus für Angebote mit hoher, sicherer Rendite?
Dass etwas nicht stimmt. Solche Kombinationen bestehen im Wettbewerb nicht dauerhaft.