Risiko und Rendite hängen zusammen
Mehr Rendite gibt es im Schnitt nur, wenn du dafür mehr Risiko trägst. Verspricht dir jemand hohe Rendite ohne Risiko, hat er etwas übersehen oder er will dich täuschen.
Lernziel: Nach dieser Lektion erkennst du ein Versprechen von hoher Rendite ohne Risiko als Warnsignal.
Warum sollte dir jemand acht Prozent Zinsen zahlen, wenn er dasselbe Geld woanders für drei bekommt? Weil bei den acht Prozent etwas schiefgehen kann. Der Unterschied ist der Preis für die Unsicherheit.
Wettbewerb um Rendite
Das folgt aus dem Wettbewerb. Gäbe es irgendwo hohe Rendite ohne Risiko, würden alle dort ihr Geld hinbringen, bis die Rendite wieder normal wäre. Das passiert ständig und sehr schnell.
Erwartet heißt nicht sicher
Achte auf das Wort erwartet. Mehr Risiko heißt nicht, dass du mehr bekommst. Es heißt, dass du im Schnitt mehr bekommen könntest und im Einzelfall auch alles verlieren kannst.
Schutz vor Betrug
Für dich ist das ein guter Schutz vor Betrug. Bietet dir jemand zwölf Prozent im Jahr, garantiert und ohne Risiko, hast du keine Chance gefunden. Du hast mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Betrüger vor dir. Diese eine Regel hat schon mehr Menschen ihr Geld gerettet als jede Analysemethode.
Fachleute zerlegen die erwartete Rendite in zwei Teile: den Zins, den du ohne Risiko bekommst, etwa für kurzlaufende Staatsanleihen, und eine Risikoprämie obendrauf. Das bekannteste Modell dafür heißt CAPM. Seine wichtigste Aussage ist leicht zu übersehen. Bezahlt wird nur das Risiko, das du durch Streuen nicht loswerden kannst.
Das Risiko einer einzelnen Firma
Kauft Jan nur Aktien einer einzigen Firma, trägt er zusätzlich das Risiko, dass genau diese Firma Pech hat, etwa weil ein Produkt floppt. Dafür zahlt ihm der Markt nichts extra, denn dieses Risiko könnte er mit Streuung vermeiden. Zehn Einzelaktien statt eines breiten Index bringen deshalb viel mehr Schwankung bei ungefähr derselben Renditeerwartung. Das ist Risiko, für das dich niemand bezahlt.
Grenzen des Zusammenhangs
Der Zusammenhang gilt im Durchschnitt und über lange Zeit. In einzelnen Jahren und manchmal über Jahrzehnte haben riskantere Anlagen schlechter abgeschnitten als sichere. Japanische Aktien standen 2019 noch unter ihrem Höchststand von 1989. Wäre das ausgeschlossen, gäbe es kein Risiko und damit auch keine Prämie.
Zusammenfassung
- Die Risikoprämie ist der Lohn für getragene Unsicherheit.
- Bezahlt wird nur Risiko, das sich nicht wegstreuen lässt.
- Hohe Rendite ohne Risiko gibt es nicht. Diese Regel schützt vor fast jedem Betrug.
Hast du es verstanden?
Warum wird das Risiko einer einzelnen Aktie nicht extra bezahlt?
Weil es sich durch Streuen vermeiden lässt. Für vermeidbares Risiko zahlt der Markt nichts.
Heißt mehr Risiko automatisch mehr Ertrag?
Nein. Es heißt eine höhere Erwartung, aber auch eine größere Spanne möglicher Ergebnisse, darunter sehr schlechte.
Was folgt daraus für Angebote mit hoher, sicherer Rendite?
Dass etwas nicht stimmt. So eine Kombination hält im Wettbewerb nicht lange.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Jemand wirbt mit garantierten 1,5 Prozent Rendite pro Monat. Rechne aus, wie viel Prozent das auf ein Jahr hochgerechnet sind, indem du 1,015 zwölfmal mit sich selbst multiplizierst. Vergleiche das Ergebnis mit dem, was dein Tagesgeld zahlt, und schreibe drei Fragen auf, die du dem Anbieter stellen würdest.
Quellen und Weiterlesen
- William Sharpe leitete 1964 im Journal of Finance mit dem Kapitalgutpreismodell (CAPM) formal her, dass nur das nicht wegdiversifizierbare Marktrisiko eine Risikoprämie rechtfertigt. Quelle ansehen ↗