Das Trading-Tagebuch
Ohne Aufzeichnungen erinnerst du dich an deine Gewinner und vergisst deine Verlierer. Ein Tagebuch ist ein guter Weg, deine tatsächliche Leistung zu sehen.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du ein Tradingtagebuch führen, das deine tatsächliche Leistung ehrlich zeigt.
Frag jemanden nach seiner Trefferquote, und du bekommst eine geschätzte Zahl. Die ist fast immer zu hoch, weil unser Gedächtnis sich die schönen Momente besser merkt.
Was ins Tagebuch gehört
Ein Tagebuch löst das. Schreib vor jedem Trade auf, was du kaufst, warum, wo du aussteigst und wie viel du riskierst. Nach dem Ausstieg notierst du, was tatsächlich passiert ist und ob du dich an deine Regeln gehalten hast.
Regeltreue statt Ergebnis
Der letzte Punkt ist der wichtigste. Ein Trade kann Gewinn bringen, obwohl du deine Regel gebrochen hast. Das ist dann kein Erfolg. Das ist Glück, und auf Glück kannst du nicht bauen.
Muster nach fünfzig Einträgen
Nach fünfzig Einträgen siehst du Muster, die dir vorher nicht aufgefallen sind. Meistens sind es unangenehme. Bei Svenja zeigte sich, dass fast alle Verluste freitags nachmittags entstanden, wenn sie müde war, und dass die guten Ergebnisse alle aus Positionen kamen, die sie länger gehalten hatte.
Es geht darum, die Qualität deiner Entscheidung vom Ergebnis zu trennen. Wo viel Zufall im Spiel ist, sagt ein einzelnes Ergebnis wenig darüber aus, ob die Entscheidung gut war. Wer nur nach dem Ergebnis urteilt, wirft gute Entscheidungen weg, die Pech hatten, und behält schlechte, die Glück hatten. Fachleute nennen das Ergebnisfehler.
Gründe vorab festhalten
Du musst deine Gründe aufschreiben, bevor du das Ergebnis kennst. Nachträgliche Notizen sind verfälscht. Sobald du weißt, wie es ausgegangen ist, kommt dir das Ergebnis vorhersehbarer vor, als es war, und deine Erinnerung an die Gründe passt sich an. Nur was vorher festgehalten ist, lässt sich ehrlich auswerten.
Sinnvoll auswerten
Sinnvoll auswerten kannst du die Trefferquote, den durchschnittlichen Gewinn und Verlust, daraus den Erwartungswert, und den Anteil der Trades, bei denen du dich an deine Regeln gehalten hast. Aufschlussreich ist auch eine Aufteilung nach Uhrzeit, Wertpapier oder Marktlage. Pass dabei auf: Je feiner du aufteilst, desto weniger Trades landen in jeder Gruppe, und desto weniger kannst du daraus schließen.
Zusammenfassung
- Das Gedächtnis überschätzt die eigene Trefferquote fast immer.
- Schreib deine Gründe vor dem Ergebnis auf, sonst passen sie sich an.
- Beurteile, wie du entschieden hast, nicht das einzelne Ergebnis.
Hast du es verstanden?
Was ist der Ergebnisfehler?
Eine Entscheidung nach ihrem Ausgang zu beurteilen statt danach, wie gut sie war.
Warum musst du deine Gründe vor dem Ergebnis aufschreiben?
Weil sich die Erinnerung an die Gründe anpasst, sobald du den Ausgang kennst.
Welche Zahl ist wichtiger als die Trefferquote?
Der Erwartungswert, dazu der Anteil der Trades, bei denen du dich an deine Regeln gehalten hast.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Lege eine Tabelle mit sechs Spalten an: Was, Warum, Ausstieg, Risiko in Euro, Ergebnis, Regel eingehalten (ja oder nein). Trag eine Entscheidung ein, die du zuletzt getroffen hast, oder plane den Eintrag für deinen nächsten Kauf. Schreib die Gründe auf, bevor du das Ergebnis kennst.
Passt dazu
- Trefferquote und ErwartungswertStufe 3
- Chancen-Risiko-VerhältnisStufe 3
- LiquidationStufe 3
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