Was bleibt am Monatsende übrig
Die Sparrate ist der stärkste Hebel deines Ergebnisses. Um sie zu kennen, brauchst du drei Zahlen: feste Ausgaben, schwankende Ausgaben und die Rücklage für Jahreskosten.
Die meisten Menschen unterschätzen ihre Ausgaben, weil die großen jährlichen Posten im Kopf fehlen. Versicherungen, Urlaub, Weihnachten, Autoreparaturen, Steuernachzahlungen.
Nimm drei Monate deiner Kontoauszüge und sortiere sie in drei Töpfe. Fest: Miete, Strom, Versicherungen, Abos. Schwankend: Lebensmittel, Sprit, Freizeit. Jährlich: alles, was einmal im Jahr kommt, geteilt durch zwölf.
Was danach übrig bleibt, ist deine ehrliche Sparrate. Nimm nicht die Zahl, die du gern hättest, sondern die, die dreimal hintereinander tatsächlich übrig war.
Ein praktischer Kniff: Richte den Sparbetrag als Dauerauftrag am Tag nach dem Gehaltseingang ein. Was zuerst weggeht, wird nicht ausgegeben. Was am Monatsende übrig bleiben soll, bleibt fast nie übrig.
Die Wirkung der Sparrate lässt sich am Endwert eines Sparplans zeigen. Der Endwert einer regelmäßigen Einzahlung ist E = R · ((1+i)^n − 1) / i, wobei R die Rate, i der Periodenzins und n die Anzahl der Perioden ist. Der Endwert ist in R streng linear: doppelte Rate, doppeltes Ergebnis, ohne jede Unsicherheit. In i ist er zwar exponentiell, aber i ist nicht steuerbar, sondern nur schätzbar.
Daraus folgt eine Prioritätenordnung, die dem üblichen Vorgehen widerspricht. Aufwand, der in die Erhöhung der Rate fließt, hat einen sicheren Effekt. Aufwand, der in die Optimierung der erwarteten Rendite fließt, hat einen unsicheren Effekt. Der übliche Anfängerpfad, sofort nach der besten Anlage zu suchen, optimiert die unsichere Größe und lässt die sichere unberührt.
Für die Erfassung der Jahreskosten hat sich ein separates Konto bewährt, auf das monatlich ein Zwölftel der erwarteten Jahressumme fließt. Damit werden unregelmäßige Ausgaben zu regelmäßigen und die verbleibende Sparrate wird planbar statt schwankend. Ohne diesen Schritt wird der Sparplan regelmäßig ausgesetzt, was den Zinseszinseffekt genau dort unterbricht, wo er am meisten wert ist.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Drei Monate Kontoauszüge sagen mehr als jede Schätzung.
- Jahreskosten durch zwölf teilen, sonst stimmt die Rechnung nie.
- Erst sparen, dann leben. Nicht umgekehrt.
Hast du es verstanden?
Welche Größe im Sparplan kannst du sicher beeinflussen?
Die Sparrate. Die Rendite kannst du nur schätzen, nicht bestimmen.
Warum verrechnen sich viele bei ihren Ausgaben?
Weil jährliche Posten wie Versicherungen, Urlaub und Reparaturen im monatlichen Denken fehlen.
Warum wirkt ein Dauerauftrag direkt nach dem Gehaltseingang?
Weil ausgegeben wird, was verfügbar ist. Was zuerst weggeht, steht gar nicht erst zur Verfügung.
Passt dazu
- Bevor du einen Euro anlegstStufe −1
- Der NotgroschenStufe −1
- Ziel und ZeithorizontStufe −1