Wie werden Aktien in den Niederlanden besteuert?
Die Niederlande besteuern einen angenommenen Ertrag auf dein gesamtes Vermögen oberhalb eines Freibetrags. Was du verdient hast und ob du verkauft hast, spielt dabei keine Rolle.
Das niederländische System unterscheidet sich grundlegend von allen anderen hier vorgestellten Ländern. Es gibt keine Steuer auf tatsächlich realisierte Kursgewinne. Stattdessen wird dein gesamtes Vermögen am 1. Januar erfasst und mit einem angenommenen, fiktiven Ertrag versteuert, unabhängig davon, was du tatsächlich verdient oder verloren hast.
Dieses sogenannte Box 3 funktioniert so: Bis zu einem Freibetrag von 59.357 Euro pro Person bleibt Vermögen steuerfrei. Für den Teil darüber wird ein angenommener Ertrag unterstellt, für 2026 sind das 1,28 Prozent auf Bankguthaben und 6,00 Prozent auf Anlagen wie Aktien, ETFs und Kryptowerte. Schulden mindern die Bemessungsgrundlage mit angenommenen 2,70 Prozent.
Auf diesen angenommenen Ertrag werden 36 Prozent Steuer fällig, nicht auf den tatsächlichen Gewinn. Wer also mit Aktien im Wert von 100.000 Euro nichts verdient oder sogar verloren hat, zahlt trotzdem Steuer auf die unterstellten 6 Prozent Ertrag.
Seit 2025 gibt es eine Ausweichmöglichkeit: Wer nachweisen kann, dass sein tatsächlicher Ertrag niedriger war als der fiktive, kann sich stattdessen nach dem echten Ertrag besteuern lassen.
Box 3 ist einer von drei Töpfen der niederländischen Einkommensteuer. Box 1 erfasst Arbeit und das eigene Haus, Box 2 größere Beteiligungen an Firmen, Box 3 Sparen und Anlegen. Für jede Vermögensart legt der Staat jedes Jahr einen angenommenen Ertrag fest, und nach dem richtet sich die Steuer.
Für 2026 gelten 1,28 Prozent auf Bankguthaben, vorläufig, und endgültig 6,00 Prozent auf Aktien, ETFs, Kryptowerte und andere Anlagen. Schulden oberhalb von 3.800 Euro pro Person werden mit 2,70 Prozent abgezogen. Ein Beispiel: Sanne lebt allein und hat 100.000 Euro in ETFs, sonst nichts. Über dem Freibetrag liegen 40.643 Euro. Darauf werden 6 Prozent Ertrag unterstellt, rund 2.440 Euro, und davon gehen 36 Prozent an den Staat. Sanne zahlt also knapp 880 Euro, egal ob ihre ETFs im Jahr gestiegen oder gefallen sind.
Seit einem Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshofs ist das System im Umbau. Seit dem Steuerjahr 2025 gibt es die Gegenbeweisregelung. Hatte Sanne nachweislich weniger Ertrag als die angenommenen 6 Prozent, zahlt sie nur auf den echten Ertrag. Ab 2028 soll ganz auf die Besteuerung des tatsächlichen Ertrags umgestellt werden. Das dafür nötige Gesetz ist noch nicht verabschiedet, der Plan kann sich also noch ändern.
Zusammenfassung
- Besteuert wird ein angenommener Ertrag auf das Gesamtvermögen, nicht der tatsächliche Gewinn.
- Für 2026 gelten 59.357 Euro Freibetrag pro Person und 6,00 Prozent unterstellter Ertrag auf Anlagen, versteuert mit 36 Prozent.
- Seit 2025 kann ein nachweislich niedrigerer tatsächlicher Ertrag stattdessen angesetzt werden.
Hast du es verstanden?
Worauf wird in Box 3 tatsächlich Steuer erhoben?
Auf einen fiktiven, angenommenen Ertrag auf das Vermögen oberhalb des Freibetrags, nicht auf den tatsächlich erzielten Gewinn.
Was passiert, wenn du mit deinen Aktien tatsächlich nichts verdient hast?
Du zahlst trotzdem Steuer auf den für diese Kategorie unterstellten fiktiven Ertrag, sofern du keinen niedrigeren tatsächlichen Ertrag nachweist.
Seit wann kann ein niedrigerer tatsächlicher Ertrag geltend gemacht werden?
Seit dem Steuerjahr 2025, im Rahmen der sogenannten Gegenbeweisregelung.
Quellen und Weiterlesen
- Belastingdienst, offizielle Berechnung des Box-3-Einkommens für 2026 Quelle ansehen ↗
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