Angst und Gier
Die beiden stärksten Kräfte am Markt stehen in keinem Chart. Sie sitzen in deinem Kopf und sorgen dafür, dass Menschen oft teuer kaufen und billig verkaufen.
Lernziel: Nach dieser Lektion erkennst du, wie Angst und Gier deine eigenen Kauf und Verkaufsentscheidungen verzerren.
Wenn alles steigt und überall davon berichtet wird, fühlt sich Kaufen sicher an. Wenn alles fällt und Panik herrscht, fühlt sich Verkaufen vernünftig an. Richtig wäre es genau umgekehrt.
Warum das Gehirn so reagiert
Das ist kein Charakterfehler. So ist unser Gehirn gebaut. Es will sich der Gruppe anschließen und Gefahren aus dem Weg gehen. Früher hat das Leben gerettet. An der Börse kostet es Geld.
Vorab entscheiden
Deshalb hilft es wenig, sich vorzunehmen, ruhig zu bleiben. Im Moment der Panik hält kein Vorsatz. Was hilft, sind Entscheidungen, die du vorher getroffen hast, als es ruhig war.
Praktisch heißt das: ein Sparplan statt einzelner Kaufentscheidungen. Feste Regeln statt Tagesform. Und ein Zettel für den Ernstfall, auf dem steht, was du im Rückgang tust. Hanna hat darauf geschrieben: Ich verkaufe nichts, solange mein Plan sich nicht geändert hat. Im März 2020 hat sie den Zettel dreimal gelesen und nichts verkauft.
Die Verhaltensforschung erklärt das mit zwei Arten zu denken. Die eine ist schnell, automatisch und von Gefühlen gesteuert. Die andere ist langsam, bewusst und rechnet. Unter Zeitdruck, Unsicherheit und Aufregung gewinnt die schnelle. Eine Börsenkrise bringt alle drei auf einmal.
Geldströme in Fonds
Messen lässt sich das an den Geldströmen in Fonds. Nach guten Jahren fließt viel Geld hinein, nach schlechten fließt es wieder hinaus. Weil auf starke Phasen oft schwächere folgen und umgekehrt, entsteht daraus eine dauerhafte Lücke zwischen der Rendite der Fonds und der Rendite ihrer Anleger.
Vorkehrungen gegen Panik
Am besten wirken Vorkehrungen, die die Entscheidung aus dem aufgeregten Moment herausnehmen: automatische Sparpläne, feste Termine für das Rebalancing, aufgeschriebene Regeln für dein Depot. Sie wirken, weil sie dir die Möglichkeit zum Handeln nehmen. Das Gefühl bleibt trotzdem da. Es richtet nur keinen Schaden mehr an.
Zusammenfassung
- Kaufen fühlt sich am besten an, wenn es am teuersten ist.
- Vorsätze halten in der Panik nicht, Automatismen schon.
- Schreib deine Regeln auf, solange es ruhig ist.
Hast du es verstanden?
Warum halten gute Vorsätze in einer Krise nicht?
Weil unter Unsicherheit, Zeitdruck und Aufregung das schnelle, gefühlsgesteuerte Denken gewinnt.
Was ist die Renditelücke bei Fondsanlegern?
Anleger verdienen weniger als ihr eigener Fonds, weil sie nach guten Zeiten kaufen und nach schlechten verkaufen.
Warum wirken automatische Sparpläne?
Weil sie dir die Möglichkeit zum Handeln nehmen, statt zu verlangen, dass du deine Gefühle beherrschst.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Schreibe deinen eigenen Zettel für den Ernstfall. Lege darin fest, was du tust, wenn dein Depot um 20 Prozent fällt, und rechne vorher aus, wie viele Euro das bei 15.000 € Depotwert wären. Spiele danach im Crash Test durch, ob du dich an deinen Zettel halten würdest.
Quellen und Weiterlesen
- Morningstars jährliche Mind-the-Gap-Studie: Über die zehn Jahre bis Ende 2024 erzielte der durchschnittliche in Fonds und ETFs investierte Dollar wegen ungünstigen Timings rund 1,2 Prozentpunkte pro Jahr weniger als die Fonds selbst. Quelle ansehen ↗