Orderbuch, Market Maker, Hochfrequenzhandel
Die Marktmikrostruktur beschreibt, wie aus einzelnen Aufträgen ein Preis entsteht. Sie erklärt, warum der angezeigte Kurs und der Preis, den du am Ende zahlst, auseinanderliegen können.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du erklären, warum der angezeigte Kurs und dein tatsächlicher Ausführungspreis auseinanderliegen können.
Einen Kurs legt niemand fest. Er entsteht, wenn ein neuer Auftrag auf einen trifft, der schon wartet. Wer wartet, bringt Liquidität in den Markt. Wer sofort handelt, nimmt sie heraus.
Market Maker
Market Maker haben sich aufs Warten spezialisiert. Sie nennen gleichzeitig einen Kauf und einen Verkaufspreis und verdienen am Spread. Ob der Kurs steigt oder fällt, ist ihnen ziemlich egal. Sie verdienen daran, dass viel gehandelt wird.
Hochfrequenzhändler
Hochfrequenzhändler machen oft dasselbe, nur sehr schnell und in riesigem Umfang. Ihr Vorsprung sind Millionstelsekunden, keine klügeren Einschätzungen. Wenn du langfristig anlegst, betrifft dich das kaum. Wenn du kurzfristig handelst, sind sie deine Gegenseite.
Angezeigter Kurs und Ausführung
Merk dir: Der angezeigte Kurs ist das letzte Geschäft, das zustande kam. Was du zahlst, hängt davon ab, was gerade im Orderbuch wartet. Bei großen Aufträgen oder wenig gehandelten Werten kann das spürbar auseinanderliegen.
Im Orderbuch stehen die wartenden Aufträge, sortiert nach Preis und Zeitpunkt. Ein Auftrag, der sofort ausgeführt werden soll, arbeitet sich auf der Gegenseite Preisstufe für Preisstufe durch. Je größer er ist, desto schlechter wird der Durchschnittspreis. Diese Wirkung auf den Preis wächst ungefähr mit der Wurzel aus dem Verhältnis zwischen deiner Order und dem, was normalerweise an einem Tag gehandelt wird. Ein Auftrag über ein Hundertstel des Tagesumsatzes bewegt den Preis also spürbar weniger als einer über ein Zehntel, aber nicht zehnmal weniger.
Was der Spread abdeckt
Der Spread eines Market Makers deckt drei Dinge ab: seine Kosten, das Risiko, dass er eine Position halten muss, die sich gegen ihn bewegt, und die Gefahr, mit jemandem zu handeln, der mehr weiß als er. Der dritte Punkt erklärt, warum Spreads vor und nach Nachrichten breiter werden. Dann ist die Gefahr am größten, dass auf der anderen Seite jemand besser informiert ist.
Hochfrequenz-Strategien
Hochfrequenzhandel umfasst verschiedene Strategien: elektronisches Market Making, Arbitrage zwischen Handelsplätzen und das Ausnutzen winziger Zeitvorsprünge. Studien finden meistens, dass die Spreads dadurch im normalen Betrieb enger werden und mehr Liquidität da ist. In Stressphasen ziehen sich diese Händler aber oft zurück. Beim sogenannten Flash Crash im Mai 2010 fiel der amerikanische Aktienmarkt innerhalb von Minuten um fast zehn Prozent, auch weil plötzlich kaum noch jemand kaufen wollte.
Zusammenfassung
- Der angezeigte Kurs ist das letzte Geschäft, nicht dein Ausführungspreis.
- Der Spread bezahlt auch das Risiko, mit besser Informierten zu handeln.
- Hochfrequenzhändler machen Spreads normalerweise enger und ziehen sich in Stressphasen zurück.
Hast du es verstanden?
Warum wird der Ausführungspreis bei großen Aufträgen schlechter?
Weil sich der Auftrag Preisstufe für Preisstufe durch das Orderbuch arbeitet.
Welche drei Dinge deckt der Spread eines Market Makers ab?
Seine Kosten, das Risiko einer Position, die sich gegen ihn bewegt, und die Gefahr, mit besser Informierten zu handeln.
Wie verhalten sich Hochfrequenzhändler in Stressphasen?
Sie ziehen sich oft zurück, und das kann kurze Einbrüche verstärken.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Eine Order über ein Hundertstel des Tagesumsatzes bewegt den Preis weniger als eine über ein Zehntel. Berechne mit der Wurzelregel aus der Lektion, um welchen Faktor die Preiswirkung ungefähr wächst, und vergleiche ihn mit dem Faktor zehn, den man naiv erwarten würde. Schreibe in einem Satz auf, was das für deine Orders in wenig gehandelten Werten bedeutet.
Quellen und Weiterlesen
- In einer offiziellen Stellungnahme zum Flash Crash vom 6. Mai 2010 bestätigt die US-Börsenaufsicht SEC, dass sich viele Marktteilnehmer aus dem Handel zurückzogen, weil sich die Kurse zu schnell bewegten, und damit die Liquidität in der Stressphase weiter austrocknete. Quelle ansehen ↗
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- Spread, Slippage und LiquiditätStufe 2
- Wer die Märkte wirklich bewegtStufe 1
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