Eine Strategie schriftlich definieren
Eine Strategie ist erst dann eine, wenn eine fremde Person sie ohne Rückfragen ausführen könnte. Alles andere ist eine Sammlung von Absichten.
Der Test ist einfach: Gib deine Strategie jemandem, der sich nicht auskennt. Wenn er sie ohne eine einzige Rückfrage anwenden kann, ist sie definiert. Wenn nicht, ist sie es nicht.
Eine vollständige Strategie beantwortet sechs Fragen. Was handle ich? Wann steige ich ein? Wie groß ist die Position? Wo steige ich mit Verlust aus? Wo mit Gewinn? Und wann handle ich gar nicht?
Die letzte Frage wird fast immer vergessen und ist die wichtigste. Eine Strategie muss auch sagen, wann sie nicht anwendbar ist, sonst wird sie auf alles angewandt.
Schreib dazu, warum du glaubst, dass das funktioniert. Wenn du den Grund nicht in zwei Sätzen sagen kannst, hast du keine Strategie, sondern eine Regel ohne Fundament, und die wirst du beim ersten Gegenwind brechen.
Einen Überblick über verbreitete Strategiefamilien und was die Forschung dazu findet, gibt der Bereich Strategiearten im Überblick.
Eine überprüfbare Strategiedefinition erfordert eindeutige Angaben zu Universum, Signaldefinition, Positionsgröße, Ausstiegsregeln, Handelszeitpunkten und Kostenannahmen. Jede Unterspezifikation erzeugt bei der späteren Auswertung Freiheitsgrade, die zur nachträglichen Anpassung einladen und damit die Aussagekraft jeder Prüfung zerstören.
Die Begründung sollte auf einer benennbaren Ursache beruhen, etwa einer Risikoprämie, einer strukturellen Marktbeschränkung oder einer dokumentierten Verhaltensverzerrung. Fehlt eine solche Erklärung, ist eine im Rückblick gefundene Regelmäßigkeit nicht von einem Zufallsfund zu unterscheiden, und ihre Fortdauer ist nicht begründbar.
Sinnvoll ist zusätzlich die Definition von Abbruchbedingungen vor dem Einsatz: Ab welchem Drawdown, welcher Abweichung der realisierten Kennzahlen von den erwarteten oder welchem Zeitraum ohne Bestätigung wird die Strategie ausgesetzt. Ohne vorab festgelegte Abbruchkriterien wird diese Entscheidung im Verlustfall unter emotionaler Belastung getroffen.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Sechs Fragen: Was, wann ein, wie groß, wo raus mit Verlust, wo mit Gewinn, wann gar nicht.
- Ohne benennbare Ursache ist eine Regel nicht von Zufall zu unterscheiden.
- Abbruchkriterien gehören vor den ersten Einsatz, nicht in die Verlustphase.
Hast du es verstanden?
Wann ist eine Strategie vollständig definiert?
Wenn eine fremde Person sie ohne Rückfragen ausführen könnte.
Welche Frage wird am häufigsten vergessen?
Wann die Strategie nicht anwendbar ist.
Warum braucht eine Regel eine Begründung?
Ohne benennbare Ursache ist ein Rückblickbefund nicht von einem Zufallsfund zu unterscheiden.
Passt dazu
- Trefferquote und ErwartungswertStufe 2
- Kapitalerhalt vor GewinnStufe 2
- VerlustaversionStufe 2