Rohstoffe
Öl, Kupfer oder Weizen kannst du kaum selbst lagern. Anleger kaufen Rohstoffe deshalb über Terminkontrakte, und die bringen Kosten mit, die viele überraschen.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du erklären, warum Rohstoffanlagen über Terminkontrakte eigene, oft unterschätzte Kosten haben.
Der Preis eines Rohstoffs folgt erst einmal ganz normal Angebot und Nachfrage. Wird mehr gefördert oder geerntet, als gebraucht wird, sinkt er. Wird plötzlich weniger geliefert, steigt er. Besonders heftig reagieren Rohstoffe auf Krisen. Gerät eine wichtige Ölregion in einen Konflikt, steigt der Preis oft schon, bevor auch nur ein Fass weniger geliefert wird. Bei Weizen oder Kaffee kann eine Dürre in einem großen Anbauland dasselbe auslösen.
Terminkontrakte statt Fass
Ein Fass Öl stellst du dir schlecht in den Keller. Anleger kaufen deshalb Terminkontrakte. Das sind Verträge über eine Lieferung in der Zukunft.
Auslaufende Verträge ersetzen
Diese Verträge laufen aus und müssen immer wieder durch neue ersetzt werden. Ist der neue Vertrag teurer als der alte, kostet jeder Wechsel Geld. Über die Jahre kann ein Rohstofffonds deshalb Geld verlieren, obwohl der Rohstoff selbst teurer geworden ist.
So ging es vielen Anlegern, die zwischen 2009 und 2020 in Öl investiert haben. Sie lagen mit dem Preis manchmal richtig und haben trotzdem verloren.
Rohstoffe ohne Erträge
Wie Gold bringen Rohstoffe keine Erträge. Für die meisten Privatanleger sind sie deshalb kein notwendiger Baustein. Öl und Bergbaukonzerne stecken ohnehin in jedem breiten Aktien ETF.
Die Rendite eines Rohstoffindex setzt sich aus drei Teilen zusammen: der Änderung des aktuellen Preises, der Rollrendite beim Wechsel in den nächsten Vertrag und den Zinsen auf das Geld, das als Sicherheit hinterlegt ist. Die Rollrendite ist positiv, wenn spätere Verträge billiger sind. Das heißt Backwardation. Sie ist negativ, wenn spätere Verträge teurer sind. Das heißt Contango. Bei Rohstoffen, die man lagern kann, ist Contango der Normalfall, weil im späteren Preis Lagerkosten und Zinsen stecken.
Wertverlust im Index
Das hat eine unangenehme Folge. Wer lange in einem breiten Rohstoffindex bleibt, kann Wert verlieren, auch wenn der Preis des Rohstoffs die ganze Zeit ungefähr gleich bleibt. Das liegt nicht am Produkt. So funktionieren Terminmärkte.
Schutz vor Inflation
Oft heißt es, Rohstoffe schützten vor Inflation, weil ihre Preise in Zeiten steigender Preise häufig mitsteigen. Die Daten dazu sind gemischt. Es kommt stark darauf an, welchen Zeitraum man betrachtet und was im Index steckt. Ein Index mit viel Energie verhält sich anders als einer mit viel Getreide. Auf einen verlässlichen Schutz vor Inflation solltest du deshalb nicht setzen.
Zusammenfassung
- Rohstoffe hält man über Terminkontrakte, die laufend erneuert werden müssen.
- Bei Contango kostet jede Erneuerung Geld, auch wenn der Preis gleich bleibt.
- Rohstofffirmen stecken ohnehin in jedem breiten Aktien ETF.
- Häufiger Fehler: Rohstoffe für einen verlässlichen Inflationsschutz halten. Ihre Preise schwanken oft stärker als Aktien.
Hast du es verstanden?
Was bedeutet Contango?
Spätere Terminkontrakte sind teurer als frühere. Jede Erneuerung kostet dann Geld.
Kann ein Rohstofffonds verlieren, obwohl der Rohstoff teurer wird?
Ja. Die Kosten beim Wechsel in neue Verträge können den Preisanstieg auffressen.
Schützen Rohstoffe verlässlich vor Inflation?
Nicht verlässlich. Das hängt stark vom Zeitraum und davon ab, welche Rohstoffe im Index stecken.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Ein Rohstofffonds hält Terminkontrakte. Der Rohstoffpreis steigt in einem Jahr um 6 Prozent, aber der Wechsel auf neue, teurere Verträge kostet 9 Prozent. Berechne grob das Ergebnis dieser beiden Teile und lasse andere Bestandteile außer Acht. Schreibe auf, warum ein steigender Preis trotzdem zu einem Verlust im Fonds führen kann.
Quellen und Weiterlesen
- Gorton und Rouwenhorst (NBER Working Paper Nr. 10595, "Facts and Fantasies about Commodity Futures") zeigen in ihrer Langfristanalyse von Rohstoff-Terminkontrakten von 1959 bis 2004 eine positive Korrelation zwischen Rohstoff-Futures und Inflation sowie eine negative Korrelation zu Aktien und Anleihen. Quelle ansehen ↗