Im Plus getradet, im Minus gelandet
Eine anonymisierte Auswertung von 39 echten Perpetual-Trades eines einzelnen Privatkontos zeigt, wie Gebühren und Hebel ein Konto mit überwiegend richtiger Richtung trotzdem ins Minus ziehen. Ein Konto, keine repräsentative Stichprobe — genau deshalb aber ehrlich nachvollziehbar.
Ein Privatkonto handelte gut drei Wochen lang Perpetuals, fast ausschließlich auf Bitcoin. Die Richtung stimmte überraschend oft: 64 Prozent der 39 Trades waren Gewinner. Trotzdem stand am Ende weniger Geld auf dem Konto als am Anfang.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Trades | 39 |
| Trefferquote | 64 % |
| Ergebnis vor Gebühren | +89 USDT |
| Gebühren | −141 USDT |
| Ergebnis nach Gebühren | −52 USDT |
Zwei von drei Trades waren Gewinner. Trotzdem ist am Ende weniger Geld da als vorher. Drei Ursachen erklären den Unterschied.
Die Gebühren waren größer als der Gewinn. 32 der 39 Trades liefen zum höheren Taker-Satz, meist per Market-Order. Die Gewinnziele lagen oft bei wenigen Zehntelprozent Kursbewegung, und die Gebühren nahmen davon jedes Mal einen großen Teil. Drei Trades waren vor Gebühren im Plus und danach im Minus. → Maker, Taker und Funding
Vier Liquidationen. Vier Positionen wurden zwangsweise geschlossen. Zusammen kosteten sie rund 171 USDT — mehr als der gesamte Endverlust. Ausgelöst wurden sie schon bei Gegenbewegungen von 0,1 bis 0,9 Prozent, was für einen sehr hohen Hebel spricht. Bitcoin schwankt oft innerhalb einer Stunde stärker. → Liquidation · Der Hebel
Kleine Gewinne, große Verluste. Der durchschnittliche Gewinn-Trade brachte 5,79 USDT, der durchschnittliche Verlust-Trade kostete 14,03 USDT. Ein Verlust wog damit etwa so viel wie zweieinhalb Gewinne. Bei diesem Verhältnis reichen 64 Prozent Treffer nicht aus. → Trefferquote und Erwartungswert
Der Profit-Faktor — die Summe der Gewinne geteilt durch die Summe der Verluste — lag bei 0,74. Werte unter 1 bedeuten, dass eine Strategie im Schnitt Geld verliert, unabhängig von der Trefferquote. Genau das zeigt dieses Konto: Eine Trefferquote von 64 Prozent klingt gut, sagt aber nichts darüber aus, ob am Ende Geld übrig bleibt, wenn das Verhältnis von durchschnittlichem Gewinn zu durchschnittlichem Verlust nicht stimmt.
An einem einzigen Tag gab es 8 Trades, 2 Liquidationen und −68 USDT — mehr als die Hälfte des gesamten Endverlusts an einem Tag. Das zeigt ein typisches Muster: Nach Verlusten wird schneller und größer gehandelt, statt die Positionsgröße zu reduzieren. → Overtrading und Rachetrading
Nach einer Pause von einer Woche wurde deutlich kleiner gehandelt. In den folgenden knapp zwei Wochen gab es 20 Trades, keine Liquidation und kein Minus an einem einzigen Handelstag. Das Ergebnis dieser zweiten Phase lag bei rund +105 USDT. Eine wichtige Einschränkung: In dieser Phase fiel der Bitcoin-Kurs, und es wurde überwiegend short gehandelt — ein Teil des Erfolgs kam also vom Markt selbst, nicht nur von den geänderten Gewohnheiten. Übertragbar ist die kleinere Positionsgröße und die Disziplin nach Verlusten, nicht die Handelsrichtung.
Zusammenfassung
- Eine Trefferquote von 64 Prozent reichte nicht: Gebühren, vier Liquidationen und ein ungünstiges Gewinn-Verlust-Verhältnis zogen das Konto trotzdem ins Minus.
- Gebühren gehören in jede Rechnung, nicht ins Kleingedruckte.
- Ein einzelner Fehler — hier: hoher Hebel und darauf folgende Liquidationen — kann dutzende kleine Gewinne aufheben.
- Kleinere Positionen und feste Regeln machten in der zweiten Phase dieses Kontos sofort einen Unterschied.
Hast du es verstanden?
Kann man mit über 60 Prozent Trefferquote Geld verlieren?
Ja, wenn die Verluste deutlich größer sind als die Gewinne oder die Gebühren den Vorsprung aufzehren.
Was ist ein Profit-Faktor?
Die Summe aller Gewinne geteilt durch die Summe aller Verluste. Werte unter 1 bedeuten Verlust.
Quellen und Weiterlesen
- Die Zahlen stammen aus dem anonymisierten Trading-Log eines einzelnen Privatkontos. Ein Konto ist keine repräsentative Stichprobe; die Zahlen belegen einen Mechanismus, keine allgemeingültige Erfolgsquote.
Passt dazu
- Maker, Taker und FundingStufe 1
- Trefferquote und ErwartungswertStufe 2
- Wie viele Day-Trader tatsächlich Geld verdienenRealitäts-Check