Risikomanagement in sechs Schritten
Risikomanagement heißt, vor jedem Trade festzulegen, wie viel du höchstens verlierst. Die Grafiken zeigen, warum schon die Höhe des Risikos pro Trade darüber entscheidet, ob eine gute Strategie am Ende Geld bringt.
Risikomanagement klingt nach Fachabteilung, ist im Kern aber eine einzige Gewohnheit: Du legst vor jedem Trade fest, wie viel du höchstens verlierst, und hältst dich daran. Wer das nicht tut, kann mit einer guten Strategie trotzdem sein Konto verlieren. Wer es tut, übersteht auch schlechte Phasen.
Diese Seite führt die Einzelteile zu einem Plan zusammen. Zu jedem Schritt gibt es eine eigene Lektion, wenn du tiefer einsteigen willst.
Schritt 1. Wie viel du pro Trade riskierst
Die meisten erfahrenen Trader riskieren pro Trade 0,5 bis 2 Prozent ihres Kontos. Bei 10.000 € sind das 50 bis 200 €. Das klingt wenig, und genau darum geht es: Auch zehn Verluste hintereinander kosten dann nur einen Teil des Kontos, nicht alles. Mehr dazu in der Ein Prozent Regel.
Die Grafik unten zeigt, warum die Höhe so wichtig ist. Drei Trader machen exakt dieselben 36 Trades. Die Strategie ist leicht gewinnbringend. Der Einzige, der am Ende verliert, ist der mit 10 Prozent Risiko pro Trade. Große Schwankungen fressen Gewinne auf, weil ein Minus von 50 Prozent danach ein Plus von 101 Prozent braucht. Das zeigt die Lektion Drawdown genauer.
Schritt 2. Wo dein Stop hingehört
Der Stop Loss gehört an die Stelle, an der deine Idee nicht mehr stimmt, zum Beispiel unter ein wichtiges Tief. Er gehört nicht dorthin, wo zufällig dein Wunschbetrag erreicht ist. Ein guter Anhaltspunkt für den Abstand ist die übliche Tagesschwankung, die ATR. Liegt der Stop enger als eine normale Tagesbewegung, wird er oft ohne Grund ausgelöst. Mehr in Stop Loss richtig setzen.
Schritt 3. Wie groß die Position wird
Erst jetzt ergibt sich, wie viel du kaufst. Die Formel ist einfach: erlaubter Verlust geteilt durch den Abstand zum Stop.
Ein Beispiel: Anna hat 10.000 € und riskiert 1 Prozent, also 100 €. Sie will eine Aktie für 50 € kaufen, ihr Stop liegt bei 47,50 €. Der Abstand beträgt 2,50 €. 100 € geteilt durch 2,50 € ergibt 40 Stück, also 2.000 € Einsatz. Liegt der Stop weiter weg, kauft sie weniger. Ihr Risiko bleibt immer bei 100 €. Mehr in Positionsgröße berechnen.
Schritt 4. Ob sich das überhaupt lohnt
Ein Trade, bei dem du 100 € riskierst, um 100 € zu gewinnen, braucht eine Trefferquote von über 50 Prozent, nur damit du bei null herauskommst. Riskierst du 100 €, um 200 € zu gewinnen, reichen etwa 33 Prozent. Mit Gebühren und Spread liegt die Schwelle höher, wie die Grafik zeigt.
Das Verhältnis aus möglichem Gewinn und möglichem Verlust heißt Chancen Risiko Verhältnis. Zusammen mit der Trefferquote ergibt es den Erwartungswert, also was du im Schnitt pro Trade gewinnst oder verlierst. Ist er nach Kosten nicht positiv, hilft auch das beste Risikomanagement nicht.
Schritt 5. Grenzen für den Tag und die Woche
Viele Konten gehen nicht an einem schlechten Trade kaputt, sondern an dem, was danach kommt: dem Versuch, den Verlust sofort zurückzuholen. Deshalb setzen sich viele Trader zusätzlich Grenzen für den ganzen Tag und die Woche.
- Nach zwei Verlusten an einem Tag ist Schluss für heute.
- Höchstens 3 Prozent Verlust pro Tag und 6 Prozent pro Woche. Ist die Grenze erreicht, wird bis zum nächsten Zeitraum nicht mehr gehandelt.
- Nach einem Monat mit 10 Prozent Verlust wird die Positionsgröße halbiert, bis die Hälfte wieder aufgeholt ist.
Mehr dazu in Overtrading und Rachetrading und Wann man aufhören sollte.
Schritt 6. Das ganze Konto im Blick behalten
Fünf Trades mit je 1 Prozent Risiko sind nur dann fünfmal ein kleines Risiko, wenn sie nichts miteinander zu tun haben. Wer gleichzeitig Bitcoin, Ethereum und drei andere Coins kauft, hat eher einen großen Trade mit 5 Prozent Risiko, weil diese Werte oft gemeinsam fallen. Das zeigt die Lektion Korrelation. Eine einfache Regel: Das Risiko aller offenen Positionen zusammen bleibt unter 5 Prozent.
Ein Hebel verändert an diesen Regeln nichts, er macht sie nur wichtiger. Mit Hebel kann der Anbieter deine Position zwangsweise schließen, bevor dein Stop greift. Dann ist der Verlust nicht mehr in deiner Hand. Mehr in Liquidation.
Was auch mit gutem Plan passiert
Selbst eine Strategie, die über viele Trades Geld verdient, hat schlechte Phasen. Die letzte Grafik zeigt 25 Verläufe derselben Strategie, nur in anderer Reihenfolge. Einige liegen nach 100 Trades deutlich vorn, der schlechteste liegt im Minus. Wer in so einer Phase steckt, weiß nicht, ob die Strategie nicht mehr funktioniert oder ob es einfach Pech ist. Deshalb braucht es Regeln, die vorher feststehen.
Kurze Liste vor jedem Trade
- Wo ist mein Stop, und warum genau dort?
- Wie viel verliere ich in Euro, wenn er ausgelöst wird, einschließlich Gebühren?
- Passt dieser Betrag zu meiner Grenze pro Trade, pro Tag und für alle offenen Positionen?
- Wie groß ist der mögliche Gewinn im Verhältnis dazu?
- Würde ich diesen Trade auch machen, wenn ich heute noch keinen Verlust hätte?
Die Antworten gehören in deinen schriftlichen Plan und in dein Trading Tagebuch. Beides lässt sich als Vorlage herunterladen.
Dass hohes Risiko pro Trade selbst bei positivem Erwartungswert zum Verlust führen kann, liegt am geometrischen Wachstum. Das Konto wächst nicht mit dem Durchschnitt der Ergebnisse, sondern mit ihrem Produkt. Ein Verlust von x Prozent braucht danach einen Gewinn von x / (1 − x) Prozent. Bei 10 Prozent sind das 11 Prozent, bei 50 Prozent schon 100 Prozent.
Das Kelly Kriterium beschreibt, welcher Anteil des Kontos pro Trade das langfristige Wachstum maximiert: f = p − (1 − p) / b, mit Trefferquote p und Gewinn Verlust Verhältnis b. Für die Strategie in der ersten Grafik (p = 0,36, b = 2) ergibt das 4 Prozent. Schon wenig mehr senkt das Wachstum, und in der Praxis kennt niemand p und b genau. Deshalb nutzen Profis meist nur einen Bruchteil davon, oft ein Viertel oder die Hälfte.
Das Risiko des Ruins, also die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Verlustgrenze zu erreichen, steigt mit dem Risiko pro Trade sehr schnell. Dazu kommen Ereignisse, die jede Rechnung sprengen: Kurslücken über Nacht, bei denen der Stop weit unter dem geplanten Preis ausgeführt wird, und Marktphasen, in denen sich Werte, die sonst unabhängig sind, plötzlich gemeinsam bewegen. Beides spricht für Sicherheitspuffer statt für Ausreizen.
Zusammenfassung
- Lege vor jedem Trade fest, wie viel du höchstens verlierst, meist 0,5 bis 2 Prozent des Kontos.
- Die Positionsgröße ergibt sich aus dem erlaubten Verlust geteilt durch den Abstand zum Stop.
- Zu hohes Risiko pro Trade kann auch eine gute Strategie ins Minus drehen.
Hast du es verstanden?
Anna riskiert 100 €, ihr Stop liegt 2,50 € unter dem Einstieg. Wie viele Aktien kauft sie?
40 Stück, weil 100 € geteilt durch 2,50 € 40 ergibt.
Welche Trefferquote brauchst du ohne Kosten bei einem Chancen Risiko Verhältnis von 2 zu 1, um bei null herauszukommen?
Etwa 33 Prozent.
Warum sind fünf Kryptotrades mit je 1 Prozent Risiko oft ein großes Risiko?
Weil Kryptowährungen oft gemeinsam fallen und die fünf Trades sich dann wie einer mit 5 Prozent Risiko verhalten.
Quellen und Weiterlesen
- ESMA, Warnungen und Informationen zu den Risiken von CFD und Hebelprodukten. Quelle ansehen ↗
- Ralph Vince: The Mathematics of Money Management, 1992.
- J. L. Kelly: A New Interpretation of Information Rate, Bell System Technical Journal, 1956.
Passt dazu
- Positionsgröße berechnenLektion
- DrawdownLektion
- Dein schriftlicher PlanLektion