Unterrichtspaket Risiko und Psychologie
Alle 17 Lektionen der Stufe 2 an einem Ort: Lernziel, Unterrichtszeit, Diskussionsfrage und Quiz-Lösung für die Vorbereitung — direkt einsetzbar, ohne selbst zusammenzustellen.
Warum dieses Paket
Stufe 2 (Risiko und Psychologie) ist nach eigener Einordnung der Seite die wichtigste Stufe des Lehrgangs: Hier entscheidet sich, wer langfristig übrig bleibt. Positionsgröße, Drawdown, die typischen psychologischen Fallen und das Trading-Tagebuch. Dieses Paket bündelt alle 17 Lektionen mit dem, was in der Unterrichtsplanung sonst selbst zusammengesucht werden müsste. Empfohlenes Alter: ab 15 Jahren (Details auf der Für-Lehrkräfte-Seite).
Passendes Arbeitsblatt: Trading-Tagebuch (ausfüllbares PDF) — direkter Bezug zur gleichnamigen Lektion in dieser Stufe.
Zwei Wege, das Paket zu nutzen: als 2–3 zusammenhängende 45-Minuten-Blöcke (z. B. Positionsgröße/Kennzahlen, dann Hebel/Liquidation, dann Psychologie) oder als 17 einzelne 10–15-Minuten-Einstiege über mehrere Stunden verteilt.
Die 17 Lektionen
1. Kapitalerhalt vor Gewinn
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du begründen, warum Kapitalerhalt vor Renditemaximierung kommen muss.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min. (1 Min. Lesezeit + Diskussion)
Diskussionsfrage: Warum ist ein Totalverlust nicht mit hoher Rendite aufholbar?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Du hast in einem Jahr 40 % deines Kontos verloren. Ein Bekannter meint, ein gutes Jahr danach würde das locker wieder ausgleichen. Was übersieht er?
Richtige Antwort: Er braucht etwa 67 % Rendite, um wieder beim Ausgangswert zu sein. Begründung: Von 6.000 € zurück auf 10.000 € sind rund 67 % nötig. Genau deshalb ist Kapitalerhalt keine Nebensache, sondern die Voraussetzung für jede weitere Rendite.
2. Die Ein-Prozent-Regel
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du die Ein-Prozent-Regel auf eine eigene Position anwenden.
Unterrichtszeit: ca. 6 Min.
Diskussionsfrage: Was genau begrenzt die Ein-Prozent-Regel?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Dein Konto hat 20.000 €. Für eine Position bist du bereit, im schlimmsten Fall 800 € zu verlieren, falls dein Stop-Loss greift.
Richtige Antwort: Das sind 4 % des Kontos und übersteigt die übliche Ein-Prozent-Grenze deutlich. Begründung: 800 € entsprechen 4 % von 20.000 €. Bei einer Serie von Fehlschlägen wäre das Konto damit viel schneller angeschlagen als bei einer Ein-Prozent-Position.
3. Positionsgröße berechnen
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du deine Positionsgröße aus erlaubtem Verlust und Stop-Abstand berechnen, statt sie zu schätzen.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min.
Diskussionsfrage: Wie lautet die Grundformel für die Stückzahl?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Konto: 10.000 €. Erlaubtes Risiko: 1 % (100 €). Einstieg bei 50 €, Stop-Loss bei 48 € — Abstand 2 €.
Richtige Antwort: 50 Stück, weil 100 € erlaubter Verlust geteilt durch 2 € Abstand 50 ergibt. Begründung: Positionsgröße = erlaubter Verlust ÷ Abstand zum Stop-Loss. So bleibt der maximale Verlust unabhängig von der Kursgröße immer bei 100 €.
4. Chancen-Risiko-Verhältnis
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du das Chance-Risiko-Verhältnis einer Position berechnen und beurteilen, ob eine Strategie tragfähig ist.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min.
Diskussionsfrage: Welche Trefferquote braucht ein Verhältnis von drei zu eins für ein Nullergebnis?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Eine Strategie trifft nur in 30 % der Fälle. Im Gewinnfall ist der Gewinn im Schnitt aber fünfmal so groß wie der durchschnittliche Verlust.
Richtige Antwort: Trotz niedriger Trefferquote kann die Strategie durch das günstige Chancen-Risiko-Verhältnis tragfähig sein. Begründung: Selbst bei nur 30 % Treffern gleicht ein Verhältnis von 1 zu 5 viele Fehlschläge mehr als aus — das zeigt der Erwartungswert.
5. Trefferquote und Erwartungswert
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du den Erwartungswert einer Strategie aus Trefferquote, Durchschnittsgewinn und Durchschnittsverlust berechnen.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min.
Diskussionsfrage: Wie berechnet man den Erwartungswert eines Trades?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Trefferquote 40 %, durchschnittlicher Gewinn 300 €, durchschnittlicher Verlust 150 €. Trägt diese Strategie langfristig?
Richtige Antwort: Ja, positiv: rund +30 € pro Trade (0,4 × 300 − 0,6 × 150). Begründung: 0,4 × 300 € = 120 €, 0,6 × 150 € = 90 €. 120 minus 90 ergibt einen Erwartungswert von +30 € pro Trade.
6. Drawdown
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du berechnen, wie viel Gewinn ein bestimmter Verlust wieder ausgleichen muss, und warum das für Risikobegrenzung spricht.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min.
Diskussionsfrage: Welcher Gewinn gleicht einen Verlust von 80 Prozent aus?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Dein Depot fällt von 10.000 € auf 6.000 € (−40 %). Wie viel Rendite brauchst du ab jetzt, um wieder bei 10.000 € zu sein?
Richtige Antwort: Etwa 67 %, weil die Rechenbasis nach dem Verlust kleiner ist. Begründung: 6.000 € × 1,67 ≈ 10.000 €. Je tiefer der Rückgang, desto überproportional größer der nötige Ausgleich.
7. Diversifikation
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du beurteilen, ob ein Portfolio wirklich gestreut ist oder nur aus vielen ähnlichen Positionen besteht.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min.
Diskussionsfrage: Welches Risiko lässt sich wegdiversifizieren und welches nicht?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Du hältst zehn verschiedene Aktien — alle aus der Halbleiterbranche.
Richtige Antwort: Das ist kaum Diversifikation, weil sich die Bestandteile bei Branchennews ähnlich bewegen. Begründung: Streuung wirkt nur, wenn sich die Bestandteile unterschiedlich verhalten. Eine Branchen-News trifft hier praktisch das ganze Depot gleichzeitig.
8. Der Hebel
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du berechnen, welcher Kursverlust bei einem bestimmten Hebel zum Totalverlust führt.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min.
Diskussionsfrage: Bei welcher Kursbewegung ist bei Hebel 25 der Einsatz weg?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Du eröffnest eine gehebelte Position mit Hebel 20.
Richtige Antwort: Bei 5 % Kursverlust in die falsche Richtung ist dein Einsatz komplett weg. Begründung: 100 geteilt durch 20 ergibt 5 %. Genau diese Bewegung genügt für den Totalverlust.
9. Liquidation
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du erklären, wann und warum eine gehebelte Position automatisch zwangsgeschlossen wird.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min.
Diskussionsfrage: Warum liegt die tatsächliche Liquidationsschwelle näher am Einstieg als 1 geteilt durch den Hebel?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Deine gehebelte Position nähert sich der Liquidationsschwelle.
Richtige Antwort: Liquidation passiert automatisch, sobald die Sicherheit nicht mehr reicht — egal, ob du gerade am Bildschirm bist. Begründung: Der Anbieter schließt die Position zwangsweise, ohne Rückfrage, oft genau im schlechtesten Moment.
10. CFDs und warum Aufsichtsbehörden warnen
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du erklären, warum CFDs als gehebeltes Produkt gelten und weshalb Aufsichtsbehörden davor warnen.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min.
Diskussionsfrage: Was besitzt du beim Kauf eines CFDs?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: CFD-Anbieter müssen offenlegen, wie viele ihrer Privatkunden mit CFDs Geld verlieren.
Richtige Antwort: Die Quote liegt meist bei etwa 70 bis 80 Prozent. Begründung: Diese Quoten sind bei fast allen Anbietern öffentlich einsehbar und liegen konstant in diesem Bereich.
11. Angst und Gier
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du erkennen, wie Angst und Gier deine eigenen Kauf- und Verkaufsentscheidungen systematisch verzerren.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min.
Diskussionsfrage: Warum versagen gute Vorsätze in einer Krise?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Die Kurse steigen seit Monaten, die Stimmung ist euphorisch. Kurz danach folgen ein Crash und Panikverkäufe.
Richtige Antwort: Angst und Gier sorgen typischerweise dafür, dass viele nahe am Hoch kaufen und nahe am Tief verkaufen. Begründung: Gier treibt den Einstieg spät in der Euphorie, Angst treibt den Ausstieg tief in der Panik — beides zum jeweils schlechtesten Zeitpunkt.
12. FOMO
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du FOMO in deiner eigenen Einstiegsentscheidung erkennen, bevor sie dich zum ungünstigsten Zeitpunkt einsteigen lässt.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min.
Diskussionsfrage: Warum steigt man bei FOMO strukturell spät ein?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Ein Kurs ist in wenigen Tagen um 80 % gestiegen. Erst jetzt hörst du zum ersten Mal davon und willst schnell noch einsteigen.
Richtige Antwort: Das ist ein klassisches FOMO-Signal — die Bewegung ist oft schon gelaufen, wenn sie so auffällt. Begründung: FOMO führt gerade dann zum Einstieg, wenn eine Bewegung schon fast vorbei ist — der schlechtestmögliche Zeitpunkt.
13. Verlustaversion
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du erklären, warum Verlustaversion dazu führt, Verlustpositionen zu lange und Gewinnpositionen zu kurz zu halten.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min.
Diskussionsfrage: Was besagt die Prospect Theory über Verluste?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Du hältst eine Verlustposition schon lange, obwohl dein Plan längst einen Ausstieg vorsähe. Eine Gewinnposition hast du dagegen viel zu früh verkauft.
Richtige Antwort: Das ist Verlustaversion: Verluste schmerzen stärker als gleich große Gewinne erfreuen. Begründung: Genau dieses Ungleichgewicht führt dazu, dass Verlierer zu lange gehalten und Gewinner zu früh verkauft werden.
14. Bestätigungsfehler
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du den Bestätigungsfehler in deinem eigenen Anlageverhalten erkennen und gegensteuern.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min.
Diskussionsfrage: Auf welchen Ebenen wirkt der Bestätigungsfehler?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Seit du eine Aktie gekauft hast, liest du nur noch positive Nachrichten dazu und blendest Warnsignale aus.
Richtige Antwort: Das ist der Bestätigungsfehler — er verzerrt deine Einschätzung systematisch zu deinen eigenen Gunsten. Begründung: Wer eine Position hält, sucht unbewusst nach stützenden Informationen und übersieht gegenteilige — der Markt bestraft das zuverlässig.
15. Overtrading und Rachetrading
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du Overtrading und Rachetrades bei dir selbst erkennen, bevor sie ein Konto beenden.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min.
Diskussionsfrage: Warum ist der Rachetrade das Gegenteil von wachstumsoptimalem Verhalten?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Nach einem Verlust-Trade eröffnest du sofort eine neue, größere Position, um den Verlust schnell wieder wettzumachen.
Richtige Antwort: Das ist ein Rachetrade — eine der gefährlichsten Formen von Overtrading. Begründung: Der Rachetrade nach einem Verlust kostet zusätzliche Gebühren, erzeugt neue Fehler und beendet regelmäßig ganze Konten.
16. Das Trading-Tagebuch
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du ein Trading-Tagebuch führen, das deine tatsächliche Leistung ehrlich sichtbar macht.
Unterrichtszeit: ca. 5 Min.
Diskussionsfrage: Was ist der Ergebnisfehler?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Du bist überzeugt, insgesamt profitabel zu handeln, kannst dich aber vor allem an deine Gewinner-Trades erinnern.
Richtige Antwort: Nur ein Trading-Tagebuch zeigt die tatsächliche Leistung, weil die Erinnerung Gewinner überbewertet. Begründung: Ohne Aufzeichnungen erinnert man sich an Gewinner und vergisst Verlierer. Das Tagebuch ist das einzige verlässliche Mittel gegen diese Verzerrung.
17. Wann man aufhören sollte
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du erkennen, an welchen Anzeichen sich eine sinnvolle Aufhör-Entscheidung festmacht.
Unterrichtszeit: ca. 6 Min.
Diskussionsfrage: Warum sind bisherige Verluste kein Argument für das Weitermachen?
Quiz-Lösung anzeigen (für die Vorbereitung)
Situation: Du hast mehrmals gegen deinen eigenen Handelsplan gehandelt und dabei wiederholt Geld verloren.
Richtige Antwort: Das ist ein klares Signal für eine Pause oder ein Ende — Weitermachen hat hier keinen vernünftigen Erwartungswert mehr. Begründung: Aufhören ist keine Niederlage, sondern eine reguläre Entscheidung, wenn die eigenen Regeln wiederholt gebrochen werden.
Nach dem Paket
Direkter Anschluss an Stufe 3 (Analyse) unter Investieren verstehen. Diese Stufe ist außerdem ein guter Zeitpunkt, um die Trading-Tagebuch-Gewohnheit fest im Papertrading-Simulator zu verankern, falls noch nicht geschehen.